Werwölfe brauchen starke Führer. Eine strikte Kommandokette hilft ihnen, sich darauf zu konzentrieren, ihren Zorn im Griff zu haben ohne sich ständig fragen zu müssen, wen sie führen sollen und wem sie gehorchen müssen. Bei den meisten kleinen Zusammenkünften beweist ein Leitwolf seine Dominanz durch Gewalt. Bei größeren Zusammenkünften allerdings ist das eher unpraktisch. Wenn ein Herrscher ununterbrochen Rivalen niederzuringen hat, wird er schon bald zu schwach sein, um richtig zu regieren.
Die Rangordnung in der Gesellschaft der Garou ist auf einem Rufsystem aufgebaut, einem Maß der Taten eines Helden und seines Dienstes an der Septe. Ständige innere Konflikte verwunden und schwächen eine Septe, doch dieses System lenkt solche Energien in die richtigen Bahnen.
Die Instinkte eines Werwolfs und jahrtausendealte Konditionierung innerhalb der Stämme bekräftigen die Notwendigkeit einer solchen Hierarchie. Der Rudelinstinkt verlangt eine Rangordnung. Jeder Garou hat seinen Platz. Die Ältesten müssen ihre Untergebenen nicht misshandeln, um ihre Macht unter Beweis zu stellen, und ihre Vasallen sind in der Regel damit zufrieden, ihnen dienen zu dürfen. Sie mag zwar vielen heutigen Garou abstoßend und ungerecht erscheinen, doch die Hierarchie hat ihre Wurzeln im Verdienst. Die Stärksten und Klügsten gelangen an die Spitze – jedenfalls idealerweise. Jeder Werwolf hat in der Gesellschaft der Garou einen bestimmten Rang, der von seinem Ruf abhängt, und wird oft mit seinem Titel angesprochen.
Beispiele:
Welpen stehen ganz unten in der Rangordnung, und man behandelt sie kaum besser als Kinder. Sie sind sehr wissbegierig und stellen viele verwirrende Fragen.
Hat ein Welpe seinen Ritus des Erwachsenwerdens durchlaufen, so wird er zum Cliath, einem jungen Garou, den seine Septe ständig für die unterschiedlichsten Aufgaben einsetzt. Manche bereisen die ganze Welt, um mehr über die Gesellschaft der Garou zu erfahren.
Wenn Cliaths sich mehr Achtung verdient haben, steigen sie schließlich zu Pfleglingen auf. Diese sind erfahren genug, um als respektierte Gesandte zwischen Septen agieren zu können. In diesem Lebensabschnitt könnte ein ganzes Rudel sich eines Zeitraums der Pflegschaft in einem weit entfernten und fremdartig wirkenden Caern unterziehen.
Adren sind höhergestellt als Pfleglinge und übernehmen oft die weniger wichtigen politischen Aufgaben innerhalb einer Septe. In dieser Zeit beschränkt ein Adrenrudel seine Reisen meist auf eine Handvoll Caerns. Im Laufe der Zeit entwickeln sich politische Rivalitäten.
Athros stehen im Rang über allen anderen. Normalerweise sind sie in die heikelsten und wichtigsten Abenteuer verwickelt, die der Stamm erlebt. Die Boten der Stillen Wanderer sind dafür bekannt, Weltreisen zu unternehmen, um für entscheidende Abenteuer das richtige Athrorudel herbeizurufen.
Nur die ehrwürdigsten und höchstrangigen Garou bezeichnet man als Älteste. Selbst wenn ein Ältester aktuell nicht als Septenführer oder in einer anderen ehrwürdigen Position innerhalb eines Stammes agiert, behandelt man einen Werwolf mit ausreichendem Ruf immer noch mit größtmöglichen Respekt.
Wenn zwei Garou unterschiedlichen Ranges miteinander zu tun haben – zum Beispiel bei einem Gespräch zwischen jungen Cliaths und ihren Ältesten –, ist ihr Verhältnis zueinander ziemlich offensichtlich. Haben zwei Garou ungefähr den gleichen Rang oder Ruf, ist die Etikette weniger klar umrissen. Wenn Helden von gleichem Rang Meinungsverschiedenheiten haben, kann es zu Handgreiflichkeiten kommen. Zum Glück hat die Gesellschaft der Garou Bräuche entwickelt, mit solchen Konflikten umzugehen; sie hat Möglichkeiten entwickelt, sich um die Vorherrschaft zu duellieren, ohne einander dabei zu töten: Prüfungen der Dominanz, die für gewöhnlich
zu dem Problem passen, dem die Septe gegenübersteht.
Bei Bedarf kann die Führungsposition von einem Werwolf zum nächsten weitergegeben werden. Wenn viele Garou sich zusammenfinden, kann der Leitwolf stündlich wechseln. Das Vorzeichen, unter welchem Mond er geboren ist, ist die erste Qualifikation eines Werwolfs. Zum Beispiel wird im Normalfall der höchstrangige Ahroun eine Septe in die Schlacht führen. Ist das Geplänkel erst einmal vorüber, und die Gruppe bekommt es mit einer Horde böswilliger Geister zu tun, könnte ein kluger, listiger Theurg den Krieger in einem geistigen Wettkampf besiegen. Ist kurz darauf Verhandlungsgeschick gefragt, könnte ein für seine Umgangsformen bekannter Philodox den Leitwolf zu einer anderen Art von Wettstreit herausfordern. Wenn ein Garou für seine Fertigkeiten besonders berühmt ist, sieht ein weiser Rivale von einer Herausforderung ab, sobald er seine Unterlegenheit erkannt hat. Beachten Sie, dass offene Herausforderungen auf Rudelebene selten nötig sind, weil die Mitglieder
des Rudels voneinander genau wissen, wozu sie imstande sind.