Riten des Rufs

Diese Riten feiern sowohl die besonderen Leistungen eines einzelnen Garous als auch seinen Aufstieg in einen neuen Rang innerhalb des Rudels oder der Septe. Werwölfe sehnen sich in gleichem Maße danach, in solchen Riten gepriesen zu werden, wie sie sich vor Strafriten fürchten.

System: Für die Durchführung dieser Riten muss der Spieler des Ritenmeisters erfolgreich Charisma + Rituale (Schwierigkeit 6) würfeln.

Stufe 1

Ritus der Verwundung

Mit diesem Ritus wird die erste Wunde gefeiert, die ein Garou im Kampf erleidet. Jeder Stamm zelebriert dieses Ereignis anders, doch alle ehren dieses Zeichen des Mutes. Viele Stämme reiben in einen Teil der Wunde Asche, damit eine Narbe des Gedenkens entsteht. Die Nachfahren des Fenris beenden diesen Ritus stets mit einer wilden Schwelgerei voller Trinkexzesse und Kämpfe. Im Gegensatz dazu beenden die Kinder Gaias diesen Ritus mit Gebeten für den Frieden und die Eintracht zwischen allen Lebewesen.

System: Bei diesem Ritus müssen nur der verwundete Charakter und der Ritenmeister zugegen sein, obwohl für gewöhnlich das Rudel und die Septe des Werwolfs anwesend sind. Läuft der Ritus erfolgreich vonstatten, erhält der Verwundete zwei Punkte Ruhm.

Ritus des Prahlens

Prahlerei und Angeberei sind seit jeher ein wichtiger Bestandteil von Kriegerkulturen. Vor einem Gegner anzugeben, macht ihm Angst und dem Werwolf selbst Mut. Aber um andere wirklich zu beeindrucken, muss der Prahler beweisen, dass er es wirklich draufhat. Dieser Ritus ist mehr als eine formalisierte Prahlerei, denn er zwingt den Garou, zu demonstrieren, was er kann. Vor einem Kampf oder einer Mission gibt der Garou vor allen Versammelten an, dass er eine besonders eindrucksvolle Tat begehen wird („Ich werde drei Schwarze Spiralen mit bloßen Klauen zerfetzen“, „Ich werde den Elektrozaun mit Stacheldraht vor der Raffinerie überwinden“ oder „Ich werde der Erste sein, der ihren Schildwall erreicht, und dem Feind die Standarte aus den toten Händen reißen“). Die Prahlerei geschieht auf rituelle Art und beinhaltet das kurze Rezitieren der Blutlinie und eine Zusammenfassung der ruhmreichen Taten, die der Garou bis dato begangen hat. Preist er sich in angemessener Weise selbst, erhöht er den Ruhm, den die angekündigte Tat ihm einbringt. Gelingt sie ihm nicht, erntet er bei seinen Kameraden Spott, was ihn Ruhm kostet; ein prahlender Werwolf verdient nur dann Respekt, wenn er Worten Taten folgen lässt. Dieser Ritus wird vor allem bei den Fianna, Nachfahren des Fenris und Wendigo vollzogen, doch die meisten Stämme haben ihre eigene Variante.

System: Standardwurf, die Schwierigkeit kann jedoch gemäß der Schwierigkeit und des Ruhms der angekündigten Tat angepasst werden – es ist schwerer, über vergleichsweise einfache Taten zu prahlen, als über Vorhaben, die einfach nur wahnwitzig sind. Für je zwei Erfolge erhöht die Prahlerei den zeitweiligen Ruhm bis zu dem Ruhmwert, den die Tat normalerweise einbrächte, um eins. Wird der Garou seinen Worten gerecht, bekommt er den Bonus. Gelingt ihm die Tat nicht, verliert er Ruhm in Höhe des Bonus. Stirbt er auf seiner Mission, ändert sich – zumindest im Bezug auf seinen Ruf – nichts.

Ein ganzes Rudel kann in Prahlerei verfallen, aber nur der Rudelführer kann den Ritus vollziehen. In diesem Fall steigt die Schwierigkeit um 1, und das gesamte Rudel gewinnt oder verliert den zusätzlichen Ruhm.

Stufe 2

Ritus des Erreichten

Dieser Ritus soll einen Garou ehren und anerkennen, welche Widrigkeiten er erdulden musste, um seinen gegenwärtigen Rang zu erreichen. Ein Ältester wird den geehrten Garou zu sich rufen, ganz so, wie ein Garou gerufen wird, wenn die Ältesten ihn bestrafen oder tadeln wollen. Wenn der Werwolf vortritt, beginnt der Älteste, alle Dinge aufzuzählen, mit denen sich der Garou seinen Ruf verdient hat. Dann wird der Ritus des Erreichten vollzogen, und jeder, der für den geehrten Garou sprechen möchte, kann das tun. Zum Abschluss sagt der Älteste so etwas wie: „Sein Ansehen soll wachsen, in seinem Stamm, in seiner Sekte und an allen Orten, und diese Nachricht soll verbreitet werden unter seinem ganzen Volk.“

System: Dieser Ritus wird durchgeführt, wenn ein Charakter zehn Punkte zeitweiligen Ruf in einer Kategorie gesammelt hat und dafür einen Punkt permanenten Ruf erwerben möchte. Die Schwierigkeit liegt bei 4, solange niemand sich gegen den Ritus ausspricht. Ist das doch der Fall, steigt die Schwierigkeit auf 6. Es ist nur ein Erfolg nötig.

Ein Fehlschlag bei diesem Wurf wird als Hinweis auf einen Fehltritt des Anwärters betrachtet. Oft empfängt der Ritenmeister eine Botschaft Gaias, die ihm die Unwürdigkeit des Anwärters vor Augen führt. Bei einem Patzer muss der Anwärter Buße tun, ehe jemand wieder den Ritus des Erreichten für ihn durchführt. Das Leben ist eben ungerecht.

Es ist möglich, wenn auch selten, dass jemand Widerspruch gegen den Ritus einlegt. In diesem Fall erhebt sich der Widersprechende und fällt dem Ritenmeister, der den Ritus durchführt, ins Wort, in dem er kühne Behauptungen über die Unzulänglichkeiten des Anwärters von sich gibt. Ein so beleidigter Anwärter muss einen Zornwurf bestehen, um nicht in Raserei zu verfallen; kann er sich nicht beherrschen, ist der Ritus beendet. Bleibt er ruhig und ist der Ritus erfolgreich, so kann mindestens drei Monde lang niemand seine Ehrwürdigkeit infrage stellen (d. h. niemand kann in den nächsten anderthalb Monaten für ihn durchgeführte Riten des Erreichten anzweifeln), und der Zweifler verliert möglicherweise einen Punkt Ruf (Ehre oder Weisheit).

Ritus des Lobpreisens

Dieser Ritus ehrt einen Werwolf, der mehr gegeben, mehr riskiert und mehr geopfert hat als für das Wohl anderer Garou, Gaias und dergleichen nötig gewesen wäre. Die ganze Septe versammelt sich, wenn der Ritenmeister den Ritus vollzieht. Oft überreicht er dem Geehrten zum Abschluss eine angemessene Belohnung, häufig einen Fetisch. Dieser Ritus wird nur dann durchgeführt, wenn ein Werwolf die Erwartungen, die an ihn gestellt wurden, übertroffen hat.

System: Der Ritenmeister erzählt der Septe von den Taten des Garous, mit denen er sich die Lobpreisung verdient hat. Für jeden Erfolg bei einem Wurf auf Charisma + Rituale (Schwierigkeit 6) erhält der gepriesene Garou für die nächsten drei Monate einen zusätzlichen Würfel für gesellschaftliche Würfelvorräte innerhalb der Septe.

Ritus des Erwachsenwerdens

Nachdem ein Welpe seine Erste Verwandlung durchlebt und erkannt hat, dass er ein Werwolf ist, muss er sich seinem Ritus des Erwachsenwerdens unterziehen. Garou wird das Erwachsensein und der angemessene Respekt erst zuerkannt, wenn sie diesen grundlegenden Ritus hinter sich gebracht haben; bis zu diesem Zeitpunkt sind sie bloß Welpen. Sie werden nicht einmal als echte Garou angesehen, und Schattenlords sprechen sie auch nicht als solche an, ehe sie diesen Ritus bestanden haben. Auch ist ein Welpe bis zu seinem Ritus des Erwachsenwerdens noch kein Mitglied eines Stammes. Ein männlicher Welpe, der von einer Schwarzen Furie geboren wird, kann beispielsweise das Mitglied jedes Stammes werden, der ihm mittels dieses Ritus einen Platz in seinen Reihen anbietet.

Während eines Ritus des Erwachsenwerdens müssen die Welpen eine gefährliche Queste hinter sich bringen, die beweisen soll, dass sie den Mut, die Ehre und die Weisheit besitzen, die einen Werwolf auszeichnen. Allerdings begehen nur wenige Welpen den Ritus allein. Oft werden sie von ihrem zukünftigen Rudel begleitet, anderen Welpen, die auch vor der Volljährigkeit stehen. Der Ritenmeister weist das zukünftige Rudel an, loszuziehen, ein klar umrissenes Ziel zu erreichen und erst zurückzukehren, wenn es sein Bestes getan hat, um dieses Ziel zu vollenden. Unterschiedliche Stämme stecken unterschiedliche Ziele, während stammesübergreifende Septen normalerweise einen Kompromiss schließen. Der Ritus des Erwachsenwerdens der Wendigo ist oft eine Traumsuche, während die Nachfahren des Fenris ihre Welpen für gewöhnlich in den Kampf gegen Wyrmgezücht schicken. Bisweilen werden die Welpen von unsichtbaren Geistern begleitet, die über sie wachen und ihre Taten den Ältesten schildern.

Wenn die Welpen bei ihrer Queste erfolgreich sind, führt ein Ritenmeister diesen Ritus für sie durch und markiert sie mit einem Piktogramm, dass sie als ausgewachsene, vollwertige Garou kennzeichnet. Diese Piktogramme werden normalerweise aufgemalt, doch die Roten Klauen schneiden sie in das Fleisch der jungen Helden.

Scheitern die Welpen jedoch, werden sie als Bürger zweiter Klasse angesehen, bis sich ihnen eine neue Möglichkeit bietet, sich zu beweisen.

System: Vor dem Ritus des Erwachsenwerdens sind Garou noch nicht einmal auf Rang 1.