Riten des Einklangs

Riten des Einklangs bringen einen bestimmten Ort oder Garou wieder in Einklang und Gleichgewicht mit Gaia. Diese Riten reinigen und erneuern, indem sie das Ziel des Ritus durch eine symbolische Wiedergeburt aus Gaias Schoß geleiten.

System: Jeder Garou, der einen Ritus des Einklangs durch führenmöchte, muss ein Talen, einen Fetisch oder einen Teil Gaias besitzen, der noch nie von einem Handlanger des Wyrm oder einem Menschen berührt wurde. Der Ritenmeister würfelt Charisma + Rituale (Schwierigkeit 7, wenn nicht anders angegeben).

Stufe 1

Ritus der Reue

Dieser Ritus ist eine Form der Entschuldigung, die angewandt wird, um erzürnte Geister oder Garou zu besänftigen, oder um Krieg zwischen Septen oder Stämmen zu vermeiden. Im Zuge dieses Ritus kriecht der Reuige oft auf dem Bauch. Manchmal winselt der Ritenmeister auch und leckt sich die Pfoten oder Hände. Wenn der Ritus richtig ausgeführt wird, kann auch das Neigen des Hauptes genügen. Um den Ritus erfolgreich durchzuführen, muss der Garou dem Beleidigten entweder ein kleines Geschenk überreichen oder, wenn es sich dabei um einen Geist handelt, ein Abbild des Geistes besitzen (beispielsweise einen Tonfalken, wenn sich der Garou an den Totemgeist Falke wendet).

System: Die Schwierigkeit des Ritus entspricht dem Zorn des beleidigten Geistes oder Werwolfs. Ein Erfolg wird als ausreichend für eine höfliche Entschuldigung betrachtet, reicht aber vielleicht nicht aus, um Freundschaften zu kitten oder schwere Fehler wiedergutzumachen. Je mehr Erfolge erzielt werden, desto größer ist der Fehltritt, der vergeben werden kann. Werwölfe, die sich weigern, einen Ritus der Reue anzuerkennen, stehen in den Augen der Ältesten schlecht da. Die meisten Geister werden einen gut durchgeführten Ritus anerkennen.

Ritus der Reinigung

Dieser Ritus reinigt eine Person, einen Ort oder einen Gegenstand und erlaubt seine Benutzung ohne Furcht vor Wyrmbefleckung. Die häufigste Form dieses Ritus besteht darin, dass der Ritenmeister einen Kreis auf die Erde zeichnet und im Gegenuhrzeigersinn um die betroffene Person oder Gegenstände herumgeht, während er einen glimmenden Zweig oder eine Fackel in den Händen hält. Er muss einen in reines Wasser oder Schnee getauchten Ast (am besten von einer Weide oder Birke) verwenden, um das gereinigte Objekt oder die Person damit zu besprengen. Während der Ritenmeister das tut, stoßen alle anwesenden Garou ein unheimliches, unirdisches Heulen aus, um den verderblichen Einfluss zu verscheuchen und damit zu verbannen. Im Idealfall wird dieser Ritus in der Dämmerung abgehalten, er kann aber jederzeit durchgeführt werden.

System: Dieser Ritus kann auf mehr als eine Person oder einen Gegenstand gewirkt werden, doch der Ritenmeiser muss für jeden zusätzlichen Gegenstand oder jede weitere Person, die der Reinigung bedarf, einen Gnosispunkt aufwenden. Ein Erfolg genügt. Die Schwierigkeit hängt vom Grad der Verseuchung ab. Von einem Geist verursachte Befleckung könnte beispielsweise eine Schwierigkeit haben, die der Gnosis des Geistes entspricht. Wenn ein Charakter den Ritus in der Dämmerung durchführt, sinkt die Schwierigkeit des Ritus um 1. Dieser Ritus heilt keine Wunden und kein Schaden, die durch Wyrmbefleckung verursacht wurden – er entfernt lediglich die spirituelle Verschmutzung. Dieser Ritus kann auch keine Verseuchung entfernen, die übermäßig tief sitzt. Er verursacht bei Fomori, Vampiren, reuelosen Tänzern der Schwarzen Spirale und ähnlich verfluchten Kreaturen furchtbare Schmerzen, kann das Ziel aber nicht reinigen.

Stufe 2

Ritus der Lossagung

Bei diesem seltenen Ritus legt ein Garou das Vorzeichen ab, unter dem er geboren wurde, und wählt ein neues. Er muss diesen Ritus in der Mondphase abhalten, für die er sich entschieden hat. Meist wird Wasser aus einem Silberbecken, das dem Licht Lunas ausgesetzt ist, über den nackten Bittsteller gegossen und wäscht so alles von ihm ab, was er einst war, auch seinen früheren Rang. Er ist jetzt frei, als Angehöriger seines angenommenen Vorzeichens ein neues Leben zu beginnen.

Viele Werwölfe betrachten einen solchen „Wendemond“ mit Argwohn, besonders die Schattenlords und Silberfänge – wie kann ein Garou es sich anmaßen, Lunas Entscheidung infrage zu stellen?

System: Ein Charakter, der sein Vorzeichen ändert, muss wieder auf Rang 1 beginnen. Er kann zwar alle erlernten Gaben behalten, kann aber nie mehr neue Gaben seines alten Vorzeichens erlernen. Dafür stehen ihm jetzt die Gaben seines angenommenen Vorzeichens offen, sie kosten (Rang x 3) Erfahrungspunkte. Manchmal wird dieser Ritus auch genutzt, wenn ein Garou seinen Stamm verlassen und sich einem neuen anschließen will – aber dies gilt nicht nur als schwere Beleidigung des verlassenen Stammes, sondern auch als Affront gegenüber dem Totem. Ein Garou kann nie zu einem Vorzeichen oder Stamm zurückkehren, von dem er sich zuvor abgewendet hat.

Stufe 3

Ritus des loyalen Rudels

Ein Anführer braucht den Respekt derer, die ihm folgen, wenn er (und sie) erfolgreich sein wollen. Dieser Ritus wird normalerweise nur von Rudeln durchgeführt, die schon eine Weile zusammengearbeitet haben und sich genug vertrauen, um sich noch stärker aneinander zu binden.

Durch den Ritus konzentriert sich das gesamte Rudel auf den Alpha und schenkt ihm all seine Hingabe. Tatsächlich unterwerfen sich die Rudelmitglieder ihm vollständig, in der Hoffnung, einen Vorteil aus ihrer engen Bindung zu ziehen, die zum Wohle aller gereicht. Jedes Mitglied des Rudels muss dem Ritenmeister einen kleinen Gegenstand von persönlicher Bedeutung und eine Haarsträhne überreichen. Der Ritenmeister bindet dann mit dem Haar alle Gegenstände aneinander und vergräbt das Bündel im Heimatcaern des Rudels.

System: Der Spieler des Ritenmeisters würfelt Charisma + Rituale (Schwierigkeit 9 – Führungsqualitäten des Leitwolfs). Gelingt der Wurf, erhält das gesamte Rudel zu Beginn jeder Spielsitzung zwei zusätzliche Punkte in Willenskraft, solange der Leitwolf im Interesse des ganzen Rudels handelt. (Ein Charakter kann dadurch nicht über seinen maximalen Willenskraftwert kommen). Handelt der Leitwolf allerdings nicht im Interesse der Gemeinschaft, verliert das gesamte Rudel zu Beginn jeder Spielsitzung zwei Punkte Willenskraft. Der Erzähler beurteilt die Situation und bestimmt, ob Willenskraftpunkte hinzugewonnen oder abgezogen werden. Bei einem neuen Leitwolf verliert der Ritus sofort seine Wirkung.

Stufe 4

Ritus des offenen Himmels

Indem er einen Gegenstand von persönlichem Wert opfert und einen komplizierten Regentanz aufführt, kann der Ritenmeister die Schleusen des Himmels öffnen und reinigenden Platzregen rufen. Dieser Regen spült sämtliche Verunreinigungen des Wyrms fort und kann sogar Wunden heilen.

System: Dieser Ritus wirkt ganz ähnlich wie der Ritus der Reinigung, kann aber einen ganzen Caern und alle, die sich darin befinden, einschließen. Der Ritenmeister muss nur einen Punkt Gnosis einsetzen, um ein Gebiet zu reinigen. Für je zwei weitere Gnosispunkte heilen alle Charaktere innerhalb des Bereichs eine Schadensstufe – sogar schwer heilbaren Schaden. Die Schwierigkeit des Ritus hängt vom Grad der Verunreinigung ab, so wie beispielsweise der Gnosiswert eines befleckten Geistes. Wie beim Ritus der Reinigung kann auch die Schwierigkeit dieses Ritus gesenkt werden, wenn er in der Dämmerung vollzogen wird. Kreaturen des Wyrms und Vampire leiden unter unerträglichen Schmerzen, wenn sie dem Ritus ausgesetzt sind, werden aber weder gereinigt noch verletzt. Um diesen Ritus außerhalb eines Caerns zu vollziehen, muss der Ritenmeister zehn Gnosispunkte einsetzen – ein Kraftakt, den nur die mächtigsten Ritenmeistern
der Garou vollführen können.

Ritus des verwunschenen Waldes

Geschichten über verzauberte Wälder, in denen die Bäume scheinbar ein Bewusstsein besitzen, seltsame Stimmen flüstern, böse Hexen lauern und Goblins und Feen jeglicher Art den erschöpften Reisenden ärgern, sind allgemein bekannt. Die Garou herrschten zwar einst in der Wildnis, aber die  Menschheit dringt immer weiter in ihre Territorien vor. Vor hunderten von Jahren entwickelten Theurgen einen Ritus, mit dem sie diese Entwicklung verhindern wollten. Dieser Ritus des verwunschenen Waldes weckt die Geister des Landes und drängt sie, die Wyldnis zu verteidigen. Die Geister erwachen und gehen dann gegen menschliche Siedlungen in der Gegend vor.

Bäche trocknen aus. Der Winter ist härter als je zuvor, doch die Bäume wachsen erstaunlich schnell und sind äußerst robust. Nahrung wird schlecht und verrottet in rasender Geschwindigkeit, Schädlinge und Insekten überfluten das Gebiet. Aus unerklärlichen Gründen können keine Stromleitungen gelegt werden. In den seltenen Fällen, in denen Handys überhaupt Empfang haben, werden Telefonate durch Rauschen, das wie schauriges Kreischen klingt, und verstörende Flüsterstimmen gestört. Wenn die Menschen nicht sofort verschwinden, sterben sie, und die Wildnis holt sich ihre verlorenen Territorien zurück.

In der Gegend scheint es danach noch jahrelang zu spuken. Die Bäume wirken düster und bedrohlich, seltsame Laute dringen nachts aus dem Wald. Die einmal erwachten Geister geben lange Zeit keine Ruhe. Schauergeschichten werden über den Landstrich erzählt, und viele Menschen machen einen weiten Bogen darum. Unglücklicherweise werden viele andere neugierig – Behörden, Geisterjäger und andere übernatürliche Wesen.

Der Ritenmeister muss einen Zweig von einem Baum, den nie ein Mensch zuvor gesehen hat, abbrechen, aus dem Magen eines Tiers, das nie von Menschen gejagt wurde, einen Behälter fertigen und ihn mit dem Wasser eines Teiches füllen, das nie von Menschen berührt wurde. Dann rührt er das Wasser um, vergießt es nahe der Grenze des wilden Waldes und ruft die Geister der Natur an, zu erwachen und sich zu verteidigen. Er schickt einen Boten in jede Himmelsrichtung, um die Geister dort ebenfalls zu rufen. Der Ritenmeister muss drei Tage lang für die Geister singen.

System: Standardwurf. Die sofortigen Auswirkungen des Ritus halten ein ganzes Jahr an, wenn sie nicht durch übernatürliche Einwirkung gestört werden. Das bezauberte Gebiet kann nicht größer sein als die weiteste Entfernung beträgt, die die Boten in drei Tagen zu Fuß zurückgelegt haben. Wenn sich im Umkreis von 8 km ein Caern befindet, sinkt die Schwierigkeit um 1.