Diese Riten sind für Gaia von entscheidender Bedeutung, denn sie helfen bei der Öffnung, dem Schutz und der Erneuerung der heiligsten aller ihr geweihten Stätten. Ohne sie könnte der mystische Fluss der spirituellen Lebenskraft Gaias versiegen, und selbst die wildesten Werwölfe würden spirituell austrocknen und sogar den Tod finden.
System: Diese Riten können nur innerhalb eines Caerns durchgeführt werden. Der benötigte Würfelvorrat ist von Ritus zu Ritus verschieden, doch die Zahl der Würfel im Würfelvorrat darf den Gnosiswert des Ritenmeisters nicht übersteigen. Wenn nicht anders angegeben, liegt die Schwierigkeit eines solchen Wurfes bei 7.
Contents
Stufe 1
Ritus des Offenen Caerns
Jeder Caern hat eine besondere Kraft, die mit ihm in Verbindung gebracht wird und normalerweise wohltätig ist. So gibt es Caerns des Zorns, Caerns der Gnosis, der Körperkraft, der Enigmas usw. Wenn ein Charakter das nötige Wissen besitzt, darf er von der Macht des Caerns zehren und sie selbst benutzen. Dieser Vorgang wird als das „Öffnen“ eines Caerns bezeichnet. Das Öffnen eines Caerns sollte man nie leichtfertig versuchen – Gaias heilige Stätten geben ihre Energie nicht ohne weiteres ab, und wenn es dem Garou nicht gelingt, diese Macht zu bändigen, kann er ernsthaften Schaden davontragen.
Jeder Caern stellt eigene Anforderungen an den Ritenmeister. Um einen Caern der Enigmas zu öffnen, könnte der Garou dem Pfad einer Spirale folgen, während er laut den griechischen Mythos der Persephone rezitiert; um einen Caern des Zorns zu öffnen, könnte der Garou Crinosgestalt annehmen und die Namen seiner im Krieg gegen den Wyrm gefallenen Vorfahren aufsagen. Entscheidend ist dabei, eine Verbindung zum besonderen Geist des Caerns herzustellen.
System: Um einen Caern zu öffnen, wagt sich ein Charakter an einen erweiterten Wurf gegen Widerstand auf Geistesschärfe + Rituale (Schwierigkeit 7)gegen den Geist des Caerns. Die Anzahl der benötigten Erfolge ist die Stufe des Caerns. Der Caerngeist nutzt die Stufe des Caerns als Würfelvorrat. Seine Schwierigkeit entspricht dem Gnosiswert des Ritenmeisters, während seine zum Gewinnen nötigen Erfolge der Willenskraft des Charakters gleichkommen. Wer zuerst die erforderliche Anzahl an Erfolgen gesammelt hat, gewinnt. Geht der Charakter als Sieger aus dem Duell hervor, kann er die Caernstufe zu seinem Würfelvorrat addieren, wenn er Handlungen ausführt, die dem Fokus des Caerns entsprechen. Verliert er, erleidet er tödlichen Schaden in Höhe der Erfolge, mit denen der Geist ihn übertroffen hat. Bei einem Patzer handelt es sich um schwer heilbaren Schaden. Eine Liste aller Caernarten, ihrer Kräfte und der Geister, die man in Ihrer Nähe antreffen kann, finden Sie auf S. 308.
Versammlungsritus
Eine Versammlung kann nicht eröffnet werden, ehe dieser Ritus durchgeführt wurde, der den Caern wieder mit Gnosis auflädt. Er beinhaltet immer ein langgezogenes Heulen, das von einem Garou angestimmt wird, der als Meister des Geheuls bekannt ist. Das Geheul hängt von Stamm und Septe ab, bringt aber immer das einzigartige Wesen der Septe zum Ausdruck. Alle anwesenden Werwölfe müssen innerhalb des Caerns einen Kreis bilden, ehe sie zu heulen beginnen. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Grundvoraussetzungen: Die Roten Klauen beißen sich oft selbst in die Pfoten und schmieren ihr Blut auf die Erde, während die Uktena ihren mächtigsten Fetisch von einem zum anderen weitergeben und nacheinander in das Geheul einstimmen. Ganz gleich, wie genau der Ritus vonstattengeht, das Geheul darf nie verstummen, damit der ewige Kreis sich schließen kann.
System: Der Ritus muss mindestens einmal pro Monat durchgeführt werden, damit der Caern geweiht bleibt. Im Laufe einer Versammlung müssen die Teilnehmer den Caern mit insgesamt fünf Gnosispunkten pro Caernstufe aufladen, um ihn wieder ganz aufzufrischen.
Stufe 3
Ritus der ruhmreichen Vergangenheit
Ein Caern hat eine eigene Geschichte und Traditionen, ganz gleich, welche Garou zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihm leben. Es kann Jahre dauern, die Geschichte eines Caerns in Erfahrung zu bringen, ist aber eine faszinierende Angelegenheit. Doch dieser Ritus macht die Geschichte eines Caerns für die Garou in einem Fiebertraum, in dem Jahre nur ein paar Augenblicke zu dauern scheinen, erfahrbar.
Um diesen Ritus durchzuführen, muss der Ritenmeister eine Karte anfertigen, auf der der Caern zu seiner Gründungszeit zu sehen ist (wofür unter Umständen Recherche nötig wird). Diese Karte wird dann in der Mitte des Caerns verbrannt. Während die Karte in Flammen aufgeht, knurren alle anwesenden Garou leise, und der Ritenmeister rezitiert die Geschichte des Caerns. Alle anwesenden Werwölfe sehen die Gründung des Caerns und alle anderen wichtigen Details seiner Geschichte wie im Traum.
System: Der Spieler würfelt Intelligenz + Rituale (Schwierigkeit 9 – Vorfahrenwert des Ritenmeisters). Bei Erfolg erhält jeder Teilnehmer bis zur Morgendämmerung einen zusätzlichen Punkt in Vorfahren; dies gilt auch, wenn der Charakter diesen Hintergrund normalerweise nicht besitzen darf (da es sich bei den Vorfahren, die auf diese Weise kontaktiert werden, um frühere Wächter des Caerns handelt, nicht um die persönlichen Vorfahren des Charakters). Dieses Ritual „aktiviert“ den Caern zudem; der nächste Caernritus dort ist um 1 erleichtert.
Stufe 4
Der Dachsbau
Die Wächter des Caerns sind so eng mit ihrem Schutzkreis verbunden, dass sie alles spüren, was innerhalb seiner Grenzen geschieht. Der Ritenmeister, der diesen Ritus leitet, muss intensiv in eine Wasserschale, ein Tintenfass, einen Spiegel oder einen ähnlichen Fokus blicken. Gleichzeitig schüttet er eine kleine Menge Hexenhasel oder eine andere stark riechende Substanz (sogar Urin ist möglich) vor sich auf den Boden. Alle zu sehenden oder teilnehmenden Garou bilden einen Kreis um den Ritenmeister und knurren leise und kehlig. Einige jüngere Garou (insbesondere Glaswandler und Wendigo) verstärken das Ritual durch die Einnahme milder Halluzinogene, obwohl viele Werwölfe diese Praktik missbilligen.
System: Der Zelebrant muss einen Wurf auf Wahrnehmung + Rituale gegen die entsprechende Schwierigkeitsstufe schaffen. Jeder Erfolg befähigt den Ritenmeister (oder den Caernwächter), eine Frage hinsichtlich eines begrenzten Gebietes zu stellen. Ein Fehlschlag bedeutet, dass der Garou gar nichts sieht.
| Bereich | Schwierigkeit |
|---|---|
| Kleiner Raum | 5 |
| Ballsaal | 6 |
| Haus | 7 |
| Ein Morgen Land | 8 |
| Kleiner Wald | 9 |
Ritus der geöffneten Brücke
Dieser Ritus erschafft eine Mondbrücke, ein leuchtendes Portal, das als mystischer Weg zwischen zwei Caerns dient. Mondbrücken sind lebenswichtige Verbindungen zwischen Gaias heiligen Stätten. Einmal pro Jahr muss ein Caern seine Verbindung mit anderen Caerns, zu denen er Mondbrücken unterhalten will, erneuern. Dieser Ritus wird immer während einer Versammlung durchgeführt und muss von beiden beteiligten Caerns gleichzeitig abgehalten werden.
Die Grundvoraussetzungen zum Öffnen einer Mondbrücke ist ein Mond- oder Pfadstein. Pfadsteine stammen aus dem Umbra und sind oft Gegenstand einer Queste. Die unheimlich seltenen Steine ähneln flachen Perlen und tragen den Pfotenabdruck eines Wolfs auf einer Seite. Es ist möglich, einen Pfadstein aus einem Caern zu stehlen, doch ein solcher Diebstahl wird als Blasphemie betrachtet und könnte durchaus zum Krieg zwischen zwei Garousepten führen.
Dieser Ritus schafft (oder erneuert) eine spirituelle Verbindung zwischen den Pfadsteinen zweier Caerns, und zwar mithilfe der Totemgeister beider Caerns. Auf dem Höhepunkt des Ritus öffnet sich eine Mondbrücke zwischen den beiden beteiligten Caerns. Nun können Garou beider Septen zwischen den Caerns hin- und herreisen und ein rauschendes Fest feiern. Mondbrücken erlauben es den Garou, Entfernungen in einem Tausendstel der dafür normalerweise nötigen Zeit zurückzulegen. Dieser Ritus muss einmal alle 13 Monde (nach etwa einem Jahr) erneuert werden.
System: Der Wurf ist Geistesschärfe + Enigmas (Schwierigkeit 8 – Caernstufe des Ritenmeisters). Wenn das Rudeltotem des Ritenmeisters dem des Caerns entspricht, erhält er drei Zusatzwürfel für den Wurf. Ist der Ritus zuvor fehlgeschlagen, steigt die Schwierigkeitsstufe des Ritus um 1.
Der Ritenmeister muss zur Vollendung des Ritus eine der Stufe des Zielcaerns entsprechende Anzahl an Erfolgen erzielen.
Ist der Ritus erfolgreich, so öffnet sich umgehend die Mondbrücke, und der Geisterbund zwischen den beiden Pfadsteinen entsteht. Von nun an können Mondbrücken zwischen den beiden Caerns jederzeit geöffnet werden. Dies gelingt mit dem Ritus des Offenen Caerns oder der Ragabashgabe: Mondbrücke öffnen (wenn sie im Caern aktiviert wird). Scheitert der Ritus, so öffnet sich keine Mondbrücke, und die Septe muss sich im nächsten Jahr erneut an dem Ritus versuchen. Mondbrücken zum Caern können noch immer geöffnet werden, aber sie sind nicht so sicher, wie sie sein könnten.
Ritus der verhüllten Klamm
Dieser Ritus macht einen Bereich im Umbra unsichtbar, sodass er von keinem anderen Ort innerhalb des Umbras aus eingesehen werden kann. Mindestens fünf Personen müssen an dem Ritual teilnehmen und zuvor mindestens drei Tage lang fasten um sich selbst zu reinigen. Die Uktena, die sich mit diesem Ritus besonders gut auskennen, bestehen darauf, dass alle Teilnehmer nichts außer aufgemalten Symbolen am Leib haben dürfen, die Erde, Luft, Wasser, Feuer und (im Falle des Ritenmeisters) die Geisterwelt repräsentieren.
System: Die Schwierigkeit dieses Wurfs ist der Todesgürtelwert des Caerns + 4. Alle teilnehmenden Garou können Gnosis beisteuern. Die Teilnehmer müssen insgesamt zehn Gnosispunkte aufbringen, um die Wirkung permanent zu machen. Ansonsten entspricht die Anzahl der erzielten Erfolge der Anzahl der Stunden, für die die Klamm im Umbra verborgen ist. Wenn der Bereich, den die Garou zu verbergen suchen, größer ist als der Caern selbst, steigt die Menge der erforderlichen Gnosis pro 1,5 km Radius, den die Teilnehmer zusätzlich verhüllen wollen, um zwei.
Stufe 5
Ritus des Caernbaus
Dieser mächtige Ritus erschafft einen dauerhaften Caern, indem er die Geisterwelt und die stoffliche Welt näher zusammenführt. Schon das Rezitieren des Ritus zieht die Aufmerksamkeit der Diener des Wyrm auf sich, und seine Durchführung hat sich – wie allgemein bekannt – schon als tödlich erwiesen. Nur die mächtigsten und klügsten Mystiker wagen es, ein solches Unterfangen anzuleiten.
Für die Ausführung des heiligsten Ritus wird fast immer ein mächtiger Theurg auserwählt. Zahlreiche Garou müssen ihre Energie in einen mächtigen Anführer leiten, um auch nur auf Erfolg hoffen zu dürfen. Es ist bekannt, dass bei gescheiterten Versuchen schon ganze Rudel qualvoll umgekommen sind. Sobald der stoffliche Fokus für das Herz des Caerns erwählt ist, muss der Bereich von jeglicher Befleckung gereinigt werden, um ihn auf die Verwandlung vorzubereiten. Alle teilnehmenden Garou müssen sich mindestens einem Ritus der Reinigung unterziehen. Der Ritenmeister führt eine Reihe kleinerer Rituale, Meditationen und anderer körperlicher Vorkehrungen durch, um sich auf seine gewaltige Aufgabe vorzubereiten.
Die Septe muss Wachen (sehr oft die Spielercharaktere) aufstellen, denn die Diener des Wyrms werden unvermeidlich versuchen, einen derart bedeutenden Ritus zu vereiteln. Für diese Aufgabe werden nur die mächtigsten Krieger auserwählt, und der von ihnen gebotene Schutz ist für den Erfolg des Ritus entscheiden. Der Ritenmeister ist völlig hilflos, während er eine lange Litanei von Versen singt, die dazu dient, einen großen Geist in den vorbereiteten Caern zu locken. Es ist zwar möglich, eine bestimmte Art von Caern zu erschaffen, aber die meisten Anführer überlassen Gaia diese Entscheidung und akzeptieren den Caern, den sie der Septe gewährt.
Der Ritus muss bei zunehmendem Mond in den Stunden zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang durchgeführt werden. Nur die Tänzer der Schwarzen Spirale erschaffen ihre Caerns bei abnehmendem Mond.
System: Der Ritus dauert von der Abend- bis zur Morgendämmerung. Wenn die Sonne am Morgen am Horizont sichtbar wird, würfelt der Ritenmeister Geistesschärfe + Rituale gegen Schwierigkeit 8 (die Schwierigkeit sinkt um 1 für je fünf Garou, die – zusätzlich zu den 13 erforderlichen Teilnehmern – dem Ritus beiwohnen und Gnosis einsetzen; die Schwierigkeit ist niemals niedriger als 4). Die Anzahl der Erfolge bestimmt die Stufe des neuen Caerns:
| Erfolge | Erfolge |
|---|---|
| 1-3 | Stufe 1 |
| 4-6 | Stufe 2 |
| 7-8 | Stufe 3 |
| 9+ | Stufe 4 |
Weil man für das Durchbrechen des Todesgürtels und die Erschaffung eines neuen Caerns eine gigantische Menge an Gnosis benötigt, müssen mindestens 13 Garou, einer pro Mond des Jahres, an diesem Ritus teilnehmen. Am Ende des Ritus kanalisieren die teilnehmenden Garou Gnosis in den entstehenden Caern – 100 Gnosispunkte werden benötigt, um die heilige Stätte zu erwecken. Wenn nicht genug Gnosis aufgewandt wird, erleiden die teilnehmenden Werwölfe schwer heilbare Wunden, da ihre Lebenskraft zur Erschaffung des Caerns geopfert wird. Jede Wunde wird als drei zusätzliche Gnosispunkte auf die Gesamtsumme addiert. Um das Ritual zu vollenden, muss jeder der 13 wichtigsten Teilnehmer permanent einen Punkt Gnosis opfern.
Die Welt ist in einem so schlechten Zustand, dass durch den Ritus des Caernbaus keine Caerns der Stufe 5 auf natürlichem Wege erweckt werden können – um der sterbenden Erde einen Caern von solcher Reinheit und Macht wiederzubringen, müssen weitere Gnosispunkte eingesetzt werden. Für weitere 100 Gnosispunkte – also insgesamt 200 Gnosispunkte – ist der erschaffene Caern eine Stufe höher als die durch die Erfolge des Ritenmeisters bestimmte Stufe.
Dieser Ritus birgt viele Gefahren. Wenn er scheitert, erleiden alle Garou, die an dem Ritus teilnehmen – sowohl diejenigen, die Gnosis einspeisen, als auch die, die das Ritual beschützen – vier Stufen tödlichen Schadens durch den spirituellen Rückschlag. Bei einem Patzer erleiden alle sieben Stufen tödlichen Schaden; diejenigen, die durch diesen Schaden Außer Gefecht gesetzt werden, tragen markante Kampfnarben davon (s. S. 258).
Die Handlanger des Wyrm stellen die größte Gefahr für den Ritus dar. Sobald er beginnt, werden alle vom Wyrm verdorbenen Wesen (Plagen, Fomori, Tänzer der Schwarzen Spirale, selbst besonders verkommene Vampire oder Geister) im Umkreis von mehreren Kilometern des Ritus gewahr; viele von ihnen werden sich durch nichts vom Versuch abbringen lassen, seine Vollendung zu verhindern. Die Garou müssen damit rechnen, mindestens bis zum Morgengrauen belagert zu werden, wahrscheinlich aber sogar länger.
Wenn der Charakter eines Spielers die Rolle des Ritenmeisters übernimmt und Erfolg hat, erhält er drei Punkte Ruhm, fünf Punkte Ehre und sieben Punkte Weisheit. Alle anderen Teilnehmer des Ritus bekommen jeweils fünf Punkte Ruhm und drei Punkte Ehre. Es handelt sich hier um einen legendären Moment in der Geschichte der Charaktere, der entsprechend belohnt werden muss.