Kaum jemand versteht die Sternenträumer richtig. Sie sind der kleinste Stamm der Garou-Nation, vor allem, weil sie einem Credo anhängen, das allem zuwider zu laufen scheint, was einen Garou ausmacht. Sie setzen auf Meditation, Philosophie und Klarträume – allerlei Wege, ihr Innerstes, ihren Zorn zu meistern. Gefangen zwischen Wolf und Mensch, Zorn und Gnosis, dem Materiellen und dem Spirituellen suchen die Sternenträumer nach dem eigentlichen Schlüssel zur Existenz der Garou: dem Gleichgewicht.
Das Gleichgewicht, der Mittelweg, ist ein essentieller Bestandteil des Credos des Stammes. Viele Praktiken der Sternenträumer wurzeln in der Philosophie der Menschen, doch der Stamm arbeitet bewusst daran, diese mit den mystischen Bewusstseinszuständen in Einklang zu bringen, die sie in ihrer Wolfsseele vorfinden. Ihr Endziel ist es, ein Verständnis zu erlangen, das sie den Zorn überwinden lässt – eine Erleuchtung, die zum Herzen des Menschlings, des Lupus und des Metis gleichermaßen stark spricht.
Die Sternenträumer breiteten sich nach Ende des Impergiums in Asien aus und obgleich sie nirgends je wirklich stark vertreten waren, war die Umgebung des Himalayas immer ihr spirituelles Zentrum. Sie haben sich im Laufe der Millennien keinen großen Namen als Krieger gemacht, vor allem, weil ihre ständige Suche nach einem Weg, der besser ist als der Zorn, verhindert hat, dass Sie an vielen der Revierkämpfe der anderen Stämme beteiligt waren. Manche denunzieren sie aktiv (und fälschlicherweise) als Nabelschauer und Pazifisten. Doch die Sternenträumer kämpfen sehr wohl gegen den Wyrm, auf der materiellen Ebene wie in ihrem Inneren.
Intern legen die Sternenträumer bei ihren Führen in erster Linie auf Weisheit wert. Rangkämpfe finden oft in Gestalt schwieriger Rätsel, Geduldsprüfungen und seltsamer Visionsquesten statt. Oft gibt es keine eindeutige Antwort auf die verhandelten Fragen: Was zählt, ist der Akt der Kontemplation und die Erkenntnis, dass man ständig vor Fragen steht, auf die es eben keine klaren antworten gibt. Unter dem Kommando von Garou aus anderen Stämmen neigen die Sternenträumer eher dazu, zu gehorchen als deren Befehle infrage zu stellen, selbst wenn sie schlechte Entscheidungen treffen. Doch ihr Gehorsam kann unerwartete Gestalt annehmen. Ein weiser Sternenträumer umfließt eine dysfunktionale Befehlskette wie Wasser und formt sie im Interesse aller neu.
Wenn die Sternenträumer in den Krieg ziehen, orientieren sie sich an der Anpassungsfähigkeit, Gelassenheit und unaufhaltsamen Macht des Wassers. Der Angriff eines Sternenträumers trifft den Gegner wie eine Welle und umfließt seine Verteidigungsmaßnahmen. Der Stamm hat sogar einen Kampfstil entwickelt, der in ähnlicher Weise auf stetigen Wandel setzt. Ihre Kampfkunst, Kailindo, entspringt ihrem Studium des Windes und seiner Geister. Ein geübter Kailindorani kann angeblich schneller die Gestalt wandeln als jeder andere Garou, wählt eine kleinere, um einem Hieb auszuweichen oder wächst an, um heftiger zuschlagen zu können.
Doch diesen hohen Idealen kann man nicht tagein, tagaus entsprechen. Die Sternenträumer bemühen sich, sich wie erleuchtete Wesen zu benehmen, doch sie sind und bleiben Garou. Sie ahmen das Wasser nach, doch das unauslöschliche Feuer des Zorns brennt in ihren Herzen. Mehr als ein Sternenträumer ist schon an dem unglaublichen Druck des Lebens als Werwolf zerbrochen – auch ein biegsames Rohr wird irgendwann brechen.
Nun, da die Endzeit droht, schwindet der Stamm der Sternenträumer immer mehr dahin. Der ständige Krieg gegen den Wyrm hat seinen Tribut von ihnen verlangt und sie haben sich nur langsam wieder vermehrt. Es gibt immer weniger Wolfsrudel, mit denen sie sich fortpflanzen könnten, und dem Stamm, der Begierde verabscheut, werden auch immer weniger Menschlinge und Metis geboren. Die Welt verwandelt sich immer mehr in ein gefährliches Labyrinth aus Illusionen. Sie müssen in den Krieg ziehen, ehe sie die Vollkommenheit erreicht haben, ehe sie bereit sind.
Doch die Sternenträumer haben schon immer gewusst, dass man eigentlich nie bereit ist. Jetzt ist Krieg. Also erheben sie ihre Stimmen zu den vier Winden und bewegen sich wie ein Fluss.
Erscheinungsbild: Sternenträumer mit hohen Werten in Reinrassig neigen in Wolfsgestalt zu einem eher schlanken, grazilen Körperbau. Ihr Fell hat eine Vielzahl von Grau- und Schwarztönen, und manche sind leicht gestromt oder gestreift.
Blutsgeschwister und Revier: Die Sternenträumer stammen ursprünglich aus Indien und aus dem Himalayagebiet, doch fast all ihre geheimen Stützpunkte dort wurden inzwischen entdeckt und zerstört. Sie sind der Stamm mit der größten Distanz zu seinen Blutsgeschwistern, nicht zuletzt, weil sie enge emotionale Bindungen meiden – teilweise sogar die Fleischeslust flüchtiger Affären. Der Stamm fördert die Auswahl von Wölfen als Sexualpartner, um die wölfische Seite seines Wesens im Gleichgewicht zu halten.
Stammestotem: Die Chimäre, ein Mischwesen, das es sowohl in der griechischen Mythologie als auch in Form seltsamer asiatischer Sagengestalten wie dem Pixiu gibt. Die Sternenträumer erkennen auch andere facettenreiche Geister des Traums und der Weisheit an, etwa die Woneyah Kohne (die Traumraben) und den Menegwho, den Flickenwolf.
Charaktererschaffung: Sternenträumer legen Wert auf hohe geistige Attribute. Der Hintergrund Mentor ist weit verbreitet. Die Askese des Stammes führt dazu, dass Sternenträumer nur selten Fetische oder Ressourcen besitzen; sie meiden auch die emotionalen Bindungen an Verbündete, wann immer es geht.
Anfangswert für Willenskraft: 4
Anfängliche Gaben: Eiserne Entschlossenheit, Fällende Berührung, Gleichgewicht, Kanalisieren, Wyrmgespür
“Der Zorn ist eine fette Schlange, die dich umschlingt und dein Herz vergiftet. Du musst die Last auf deinem Rücken erkennen, wenn du hoffen willst, aufrecht zu stehen.“
ZitatFianna: Sie träumen intensiv, doch sie lieben ihre Emotionen viel zu sehr, als dass sie sie je meistern könnten.
Glaswandler: Die Fähigkeit, die Gegenwart so klar zu sehen, ist bewundernswert. Seht ihr sonst noch irgendetwas?
Kinder Gaias: Gute Leute. Ich achte ihre Weisheit und ihren Versuch, über den Zorn hinauszuwachsen, auch wenn er mit einer tiefen Verbundenheit mit der Welt einhergeht.
Knochenbeißer: Es gibt viele Bettler, die alles aufgegeben haben, nichts besaßen und alles gewannen. Die Knochenbeißer könnten etwas verstanden haben – vielleicht spielen sie aber auch einfach nur den Narren?
Nachfahren des Fenris: Sie scheinen alles zu sein, was wir überwinden wollen. Aber auf ihre ganz eigene, blutverschmierte Art und Weise verfügen sie über eine erstaunliche Klarsicht.
Rote Klauen: Ihr Wolfsinstinkt ist unvergleichlich, doch er ertrinkt in einem Hass, der nur noch von dem der Menschen übertroffen wird.
Schattenlords: Sie definieren sich über das, was sie wollen statt über das, was sie brauchen. Damit öffnen sie den falschen Gästen ihr Herz.
Schwarze Furien: Ihr Credo scheint schlicht, doch es beinhaltet so viel: Schwesternschaft, Mutterschaft, Rache, Mystik, die Wyldnis. Unter ihrem Zorn sind sie sehr tiefgründig.
Silberfänge: Blutlinien, weltliche Macht – sie sind für immer im Materiellen gefangen. Nehmt sie als abschreckendes Beispiel.
Stille Wanderer: Ihr Schicksal ist furchterregend. Sie haben so viel aufgegeben und können doch den Geistern nicht entkommen, die ihnen auf den Fersen sind.
Uktena: Sie tragen eine Last, die niemand tragen müssen sollte. Ich hoffe, ihre Weisheit und ihre Entschlossenheit sind so groß, wie sie scheinen.
Wendigo: Sei das Wasser, nicht das Eis.