Silberfänge

Die Silberfänge weisen gerne darauf hin, dass sie der Erste unter den Stämmen sind. Der Stamm des Falken besteht ausschließlich aus den Nachfahren großer Helden und Monarchen und beansprucht die Führungsrolle innerhalb der Garou-Nation. Sie führen ihre Abstammung auf den Wolfsurahn zurück, ein Stammbaum aus dem Blut der edelsten Menschen und der vortrefflichsten Wolfsahnen. Schon immer kämpften sie an vorderster Front, waren die stolzesten und prachtvollsten Garou – und laut der Silberfänge ist das auch immer noch so.

Andere Stämme haben da ihre Zweifel. Manche werfen den Silberfängen vor, ihre Besessenheit von der Reinrassigkeit habe sie zum Inzest verleitet, und ihr einst klarer Geist sei im Laufe der Generationen schwach und umwölkt geworden. Schwache Könige verlangen Respekt für die Taten ihrer Ahnen, nicht für ihre eigenen. Wahnsinnigen Führern sind die Details ihrer höfischen Traditionen wichtiger als der Krieg gegen Wyrm. Viel zu viele verfallen in Harano, als dass sie ein gesunder Stamm sein könnten.

Beide Standpunkte enthalten ein Körnchen Wahrheit. Die Silberfänge stammen in der Tat von großen Helden ab, haben aber auch darunter gelitten, dass sie adlige Blutsgeschwister stets gesunden, intelligenten Bürgerlichen vorziehen. Viele sind so schlimm, wie ihre Kritiker behaupten, aber andere erstrahlen noch immer im Licht des alten Heldenmuts. In gewisser Weise sind sie genau die beispielhaften Garou, die sie zu sein behaupten – in der Geschichte der Silberfänge spiegeln sich die Stärken und Schwächen der Garou-Nation zugleich wider. Vom Tag ihrer Ersten Verwandlung an lernen die Silberfänge, dass sie zum Herrschen bestimmt sind – es ist weder ihr Schicksal noch ihr Recht, es ist ihr Lebenszweck. Die Besten unter ihnen legen diesen Auftrag als eine Art Noblesse oblige aus: Sie sehen es als ihre Aufgabe, in Friedens- wie in Kriegszeiten mit gutem Beispiel voranzugehen. Die Schlimmsten nutzen ihn als Rechtfertigung für Tyrannei. Ihre adligen Blutsgeschwisterfamilien erziehen ihre Kinder zu einem Gefühl der Überlegenheit. Ihre Lupus-Blutsverwandten haben natürlich per se kein Verständnis für das Konzept von Adel. Doch die Fänge beschützen sie unter Einsatz all ihrer Mittel und mit aller Kraft, weswegen viele Lupi der Silberfänge dennoch eine privilegierte Jugend genießen als die Wolfsgeborenen anderer  Stämme. Metis erfahren eine in gewisser Hinsicht paradoxe Behandlung: Einerseits sind sie Zeichen von Unreinheit, die den berühmten Stolz der Silberfänge verletzen, aber andererseits haben Metis, deren Eltern beide Fänge sind, unbestreitbar mit das reinste Blut der Nation. Ein Metis kann nie König werden, vermag aber durchaus Respekt für seine Vorfahren zu genießen (wenn auch nicht für die Blutschande seiner Eltern).

Die Gesellschaft der Silberfänge kennt einige „Adelstraditionen“, die in anderen Stämmen nicht vorkommen. Ihre Reviere unterteilen sie in „Protektorate“, die ein König (traditionell ein Ahroun) regiert, der wiederum einem Hof vorsteht. Ihre Höfe sind unterteilt in die Kammer der Sonne und die des Mondes. Erstere beschäftigt sich mit weltlichen Angelegenheiten wie Geschäfts- und Handelswesen, während letztere sowohl über spirituelle Angelegenheiten als auch über die Bedürfnisse der Lupi berät. Ihre Versammlungen gestalten sich bemerkenswert langwierig, weil sich alle  beteiligten Parteien über Tagesordnungspunkte streiten und auf barocken Ritualen und einer Etikette bestehen, die wohl kein anderer Stamm dulden würde.

Nun, da die Apokalypse näher rückt, spielen die Silberfänge eine sehr umstrittene Rolle. Viele Garou erhalten die Tradition aufrecht, indem sie die Führungsrolle der Fänge nach wie vor anerkennen. Andere behandeln sie als Galionsfiguren, die sie nach außen hin respektieren und dann, wenn nötig, in aller Stille ignorieren. Wieder andere können es kaum erwarten, sie loszuwerden, vor allem die Schattenlords.

Doch noch sind die Silberfänge nicht gefallen. Das Charisma ihrer Ahnen erfüllt den Stamm noch immer; die, die bereit sind, mit den anderen Stämmen zusammenzuarbeiten, sind bemerkenswert gut darin, Septen zu einen, sodass sie geschlossen in den Krieg ziehen. Es wird sich zeigen, ob diese letzten Überreste wahren Adels ausreichen werden, um den Stamm und damit die Garou-Nation geeint zu halten oder ob die Silberfänge im Laufe der Zeit zu viel von ihrem alten Glanz verloren haben.

Erscheinungsbild: Silberfänge stammen hauptsächlich von Adligen ab und es gibt starke Familienähnlichkeiten. Ihre Wolfsgestalt ist immer voller Anmut, mit rein silbernem oder weißem Pelz, lang gezogenen Kiefern und buschigemSchwanz. Sie lieben Geschmeide und tragen es in jeder Gestalt.

Blutsgeschwister und Revier: Silberfänge behalten die Genealogie ihrer Blutsgeschwister sehr gut im Auge und haben Stammbäume ihrer menschlichen Verwandten, die ganze Bibliotheken füllen könnten. Ihre menschlichen Blutsgeschwister sind von makelloser Herkunft und stammen aus dem Adel, wobei Geld keine Rolle spielt; ihre Wolfsgeschwister kennen natürlich keine Entsprechung dazu, doch die Fänge beschützen ihre Wolfsvettern dennoch gut und geben ihnen die Möglichkeit, in Stammesreservaten zu leben. Insbesondere Russland gilt als das Heimatland der Silberfänge, und heute haben sie Septen auf der ganzen Welt in den jeweils erstrebenswertesten Gebieten, die sie oft anderen Stämmen entrissen haben.

Stammestotem: Der Falke, der vom Himmel herab inspiriert. Silberfänge sind besonders den mit ihm verbündeten Vogel- oder Sonnengeistern treu ergeben, etwa Phönixen, den Klauen des Horus und den Kindern Karnaks.

Charaktererschaffung: Silberfänge legen großen Wert auf Führungsqualitäten und neigen infolgedessen zu hohen gesellschaftlichen Attributen und entsprechenden Fähigkeiten. Viele Silberfang-Charaktere geben freie Zusatzpunkte für weitere Hintergrundeigenschaften aus, um ererbte Ressourcen und Verbindungen abzubilden; sie alle müssen mindestens 3 Hintergrundpunkte in Reinrassig investieren, um zum Stamm gehören zu können.

Anfangswert für Willenskraft: 3

Anfängliche Gaben: Falkenauge, Griff des Falken, Inspiration, Wyrmgespür, Züngelnde Flamme

“Ich verlange nichts von dir, das du nicht freiwillig für Gaia opfern solltest. Folge mir, und wir können sie möglicherweise retten!“

Zitat
Stereotype

Fianna: Wir schätzen ihre Loyalität sehr, selbst wenn ihre Vorstellung von Etikette … schwankend ist.

Glaswandler: Clever, aber sie könnten den alten Traditionen ruhig etwas mehr Respekt erweisen.

Kinder Gaias: Sie teilen unsere Abneigung gegen Zwietracht, auch wenn sie dazu neigen, Schurken und Rebellen zu leicht zu verzeihen.

Knochenbeißer: Wir müssen ihren Teil der Last tragen, da ihnen treuer Dienst an der Nation ziemlich egal zu sein scheint.

Nachfahren des Fenris: Loyale, ehrenwerte Vasallen, wenn sie unsere Position anerkennen – gefährliche Wilde, wenn sie glauben, Schwäche in uns auszumachen.

Rote Klauen: Denk daran, dass sie die Hierarchie ehren, auch wenn sie für einen zivilen Umgangston und Höflichkeit nur Verachtung übrig zu haben scheinen.

Schattenlords: Sie wollen einen Thron, sind aber nicht angesehen genug, um ihn halten zu können. Vielleicht sollten sie Ihre Energie eher gegen den wahren Feind richten.

Schwarze Furien: Wir haben Glück, dass ihr Schwur, nie das Knie vor einem Mann zu beugen, keine Ablehnung der Hierarchie der Garou-Nation nach sich zieht. Aber vielleicht ist auch das nur noch eine Frage der Zeit?

Sternenträumer: Sie geben guten Rat, sind aber zu wenig auf das Hier und Jetzt konzentriert. Dankenswerterweise können wir da Abhilfe schaffen.

Stille Wanderer: Wertvoll, aber nicht aufrichtig. Sie sprechen nur, wenn es wichtig ist, aber scheinbar auch nur, wenn sie schlechte Nachrichten haben.

Uktena: Sie sind uns eine große Hilfe, doch ich befürchte, dass ihre Höflichkeit mangelnden Respekt verbirgt. Sie hatten zu lange keinen König.

Wendigo: Eure Vorwürfe sind berechtigt, doch wir brauchen eure Kraft und Loyalität jetzt.