Schwarze Furien

Die Schwarzen Furien sind die lebende Verkörperung weiblichen Zorns. Sie sind die Töchter Lunas in Gestalt von Artemis, der Mondjägerin. Ihren Legenden zufolge liegen ihre Wurzeln in Griechenland und Kleinasien, wo Artemis sie zu Verteidigerinnen der Wyldnis ernannte. Überall, wo es Geschichten über Frauen gibt, die im Namen der Ehre, der Rache oder familiärer Bindungen zu den Waffen greifen, ist der Geist der Furie nicht weit.

Die Furien sind fast ausschließlich Frauen. Männliche Menschlings- oder Lupuswelpen einer Furie werden anderen Stämmen zur Adoption übergeben; der Pegasus, ihr Stammestotem, akzeptiert keine männlichen Garou. Die einzige Ausnahme sind die männlichen Metis: Diese missgebildeten Söhne akzeptiert der Pegasus, vielleicht aus Mitgefühl, vielleicht aus dem Wunsch heraus, den Schwarzen Furien ihre eigenen Missetaten ständig vor Augen halten zu können. Um diese Verluste potenzieller Stammesmitglieder auszugleichen, rekrutieren die Furien aktiv unzufriedene und wütende weibliche Garou, die unter dem Banner eines anderen Stammes leiden.

Der Stamm vertritt die Auffassung, Frauen stünden Respekt, Ehre und manchmal sogar Verehrung zu. Zwar wird keine schwarze Furie dulden, dass sich ein Mann als Herrscher oder Tyrann aufspielt, doch es ist nicht aktive Männerfeindlichkeit, die den Stamm eint. Natürlich werden manche Furien niemals vergeben, niemals vergessen. Aber andere sind bereit, Männer als Partner, Helfer, Liebhaber und Gleichgestellte zu akzeptieren – aber niemals als mehr als gleichgestellt. Lupus-Furien sind die Probleme menschlicher Frauen weniger wichtig, weil Wölfinnen nicht mit Diskriminierung zu kämpfen haben, doch sie empfinden eine tiefe Verbundenheit mit der Wyldnis und große Empathie für ihre menschlichen und Menschlings-Schwestern.

In den Herzen vieler Furien lodert der Hass, doch er ist keine Stammestugend. Die eigentlichen Stammestugenden sind Ehre, Stolz, die Mystik der Wyldnis und der Wille, Veränderungen herbeizuführen.

Eine Furie bemüht sich stets, ihr Wort zu halten, wird lieber aufrecht sterben, als kniend zu leben, behütet die wildesten Orte und freut sich an ihnen und kämpft bis zum letzten Atemzug darum, die Welt zu verbessern. Die Stammesrituale der Schwarzen Furien betonen Tradition und Schwesternschaft. Von allen Stämmen halten sie am häufigsten Stammesversammlungen ab, bei denen Außenstehende nicht zugelassen sind. Kuklokhoros sind informelle Versammlungen, oft solche, bei denen die Furien ihr Werwolfsein verbergen und menschliche Frauen einladen, damit diese dort mehr über die weibliche Spiritualität lernen. Ulaka magelis sind exklusivere Versammlungen, die nur Furien offenstehen. Bei diesen Treffen werden körperlich, geistig und emotional anstrengendere Rituale abgehalten, die das wunde, blutende Herz offenbaren, das in den Eiden der Wolfsfrauen an Gaia schlägt.

Wie andere Stämme auch schließen sich die Schwarzen Furien intern zu gleichgesinnten Lagern zusammen. Die Furien nennen ihre Lager Kukloi, „Zirkel“. Die Kukloi sind weitgehend autark, müssen sich aber alle irgendwann gegenüber der Inneren und der Äußeren Calyx, den hohen Räten des Stammes, verantworten. Die Äußere Calyx ist bekannt, denn die Ältesten, aus denen sie besteht, werden mit großem Pomp und prunkvollen Zeremonien berufen. Die Innere Calyx hingegen ist ein Geheimnis (oder ein Mysterienkult), dessen Mitglieder und Aktivitäten weiten Teilen des Stammes unbekannt sind. Innerhalb des Stammes prallen alte Traditionen und die Moderne oft heftig aufeinander, bilden aber bei Weitem nicht immer Gegensätze. Schwarze Furien wachsen
im Bewusstsein der vielen schrecklichen Dinge auf, die Frauen überall auf der Welt angetan werden. Älteste wie Welpen beteiligen sich am Kampf gegen moderne Sklaverei, Zwangsprostitution, Missbrauch und andere allgegenwärtige Missstände. Nach wie vor gibt es innerhalb des Stamms einen Generationskonflikt – viele Älteste sind, wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf,
mindestens 100 Jahre alt und entsprechend altersstarrsinnig. Manche Welpen wissen nichts von den wylden Orten und wollen ihre Bemühungen auf die Schandflecke konzentrieren, an denen sie aufwuchsen und wo ihre Schwestern noch immer leiden. Aber alle Furien eint ihr Zorn.

Erscheinungsbild: Furien mit hohen Werten in Reinrassig haben in Crinos-, Hispo- und Lupusgestalt oft dunkles Fell, nicht selten mit weißen, grauen oder silbernen Flecken oder Streifen. Bei Metis der Furien ist Reinrassigkeit seltener, da ihre Väter durchweg aus anderen Stämmen stammen.

Blutsgeschwister und Revier: Die Furien beanspruchen aggressiv die letzten verborgenen, jungfräulichen Orte in der Wyldnis für sich. Sie haben eine tiefe spirituelle Verbindung zu diesen heiligen Hainen und Inseln, doch der Not gehorchend beanspruchen sie inzwischen auch Reviere in dichter von Menschen besiedelten Gebieten. Die Schwarzen Furien haben eigentlich keine ethnischen Präferenzen, wenn es um ihre Blutsgeschwister geht. Sie neigen dazu, die Blutsgeschwister der Blutlinien anderer Stämme zu „adoptieren“, vor allem Frauen, die von ihren Verwandten schlecht behandelt wurden. Sie wissen aber auch ihre männlichen Blutsgeschwister zu schätzen, selbst wenn diese wohl nie an den intimeren spirituellen Traditionen des Stammes teilhaben werden.

Stammestotem: Pegasus. Das mächtige Flügelpferd hat eine große Abneigung gegen Männer, was nahelegt, dass in dem Mythos um Bellerophon doch ein Quäntchen Wahrheit steckt. Manche Furien nutzen „Bellerophons Zügel“ als politische Metapher für die Hand des Mannes, die versucht, die heiligsten Bestandteile der Wyldnis zu meistern. Andere Totems, die die Furien hoch schätzen, sind der Panther, die Musen und die Medusen.

Charaktererschaffung: Schwarze Furien blicken auf eine stolze Tradition als Kriegerinnen zurück und ermutigen ihre Stammesmitglieder, Handgemenge oder Nahkampf zu trainieren. Überleben, Okkultismus und Rituale sind bei den Hüterinnen der wylden Orte ebenfalls verbreitet.

Anfangswert für Willenskraft: 3

Anfängliche Gaben: Geschärfte Sinne, Männergestalt, Atem der Wyldnis, Wylde Regeneration, Wyrmgespür

“Du wagst es, uns dafür zu verurteilen, dass wir als Schwesternschaft zusammenstehen? Dass wir in erster Linie Frauen helfen? Ja, Frauen sollten unsere Hilfe nicht brauchen. Gaia sollte ihre Furien nicht brauchen. Aber sie brauchen uns. Jetzt geh verdammt noch mal aus dem Weg, ehe ich dir zeige, was echter Schmerz ist.“

Zitat
Stereotype

Fianna: Es ist gut, Verbündete zu haben, denen es mit der Lebensfreude ebenso ernst ist wie mit der Notwendigkeit des Krieges. Schade, dass sie ein wenig zu sehr zu ersterer neigen …

Glaswandler: Sie sind ein Beispiel dafür, warum es wichtig ist, Freunde in den Schandflecken zu haben und warum wir niemand anderem die wylden Orte anvertrauen können.

Kinder Gaias: Vertrauenswürdig. Es hat seinen Grund, dass Männer von unserem Blute üblicherweise zum Einhorn gehen, wenn der Pegasus sie nicht will.

Knochenbeißer: Genau wie wir verteidigen sie Menschen, die sie brauchen. Schade, dass sie oft nicht so mutig sind wie wir.

Nachfahren des Fenris: Ich kann Leute nicht ausstehen, die glauben, stärker sein bedeute besser sein.

Rote Klauen: Ich verstehe ihren Zorn, aber sie übertreiben es. Eine tollwütige Wölfin ist eine Gefahr für ihr eigenes Rudel.

Schattenlords: Wenn du etwas hast, was ein Schattenlord will, behalte es für dich. Sie wollen uns natürlich nicht unsere Last tragen helfen – aber verschweige ihnen die verborgenen Grotten rings um sie.

Silberfänge: Ein sterbender Baum mit vielen verrotteten Ästen. Ein paar sind noch stark und gesund, aber die sind schwer zu finden …

Sternenträumer: Nabelschau zu so später Stunde könnte die Antworten zu Tage fördern, die wir brauchen, aber was, wenn nicht?

Stille Wanderer: Sie gelangen fast überall hin und sehen fast alles. Es ist leicht, einen Wolf ohne Revier abzulehnen, aber höre ihnen zu.

Uktena: Wie wir wissen sie, dass man Weisheit in vielen Landen und vielen Herzen finden kann. Aber wir sind schlau genug, um uns nicht an die finstersten Orte vorzuwagen …

Wendigo: Wir verstehen, was es bedeutet zu leiden und Blutsgeschwister zu haben, die ebenfalls leiden. Schade, dass sie auch uns als Teil des Problems ansehen.