Gaia hat den Garou nicht nur den Zorn als Erbe ihrer spirituellen Macht verliehen. Sie gab ihnen noch ein anderes Werkzeug, das ihre Kinder mit dem anderen Teil ihres Wesens, der Geisterwelt, verbindet. Diese Verbindung zur Heiligen Mutter heißt Gnosis.
Gnosis ist die Essenz der spirituellen Welt; sie verschafft den Garou Zugang zu den Geistern, die sie umgeben. In gewisser Hinsicht ist sie Ausdruck ihres Daseins als halbe Geister. Diese Verbindung ermöglicht Reisen ins Umbra und nährt die mächtigen Gaben, die Geister die Garou lehren können. Ohne diese spirituelle Kraft wären die Garou von einer Hälfte ihres Wesens abgeschnitten. Für Charaktere mit niedriger Gnosis ist der Kontakt zu Geistern schwierig und selten. Für Charaktere mit sehr hoher Gnosis hingegen verschwimmt die Welt von Zeit zu Zeit und sie haben manchmal Schwierigkeiten, die beiden Seiten des Todesgürtels voneinander zu unterscheiden.
Gnosis gibt es, ähnlich wie Zorn und Willenskraft, in zwei Formen. Die Erste ist der permanente Gnosiswert des Charakters, den man auf dem Charakterblatt durch die Kringel vermerkt. Die Zweite ist der temporäre Gnosisvorrat, für den die Kästchen stehen, die zeigen, wie viele Gnosispunkte der Spieler noch ausgeben kann. Der Gnosisvorrat kann nie höher sein als der Gnosiswert. Wenn Sie einen Gnosispunkt einsetzen, streichen Sie ihn aus dem Gnosisvorrat, nicht vom permanenten Gnosiswert. Letzterer bleibt während der gesamten Geschichte konstant, während der Vorrat fluktuiert.
Der Einsatz von Gnosis
Genau wie Zorn den Kampf und die stoffliche Welt antreibt, beeinflusst der Einsatz von Gnosis eher Einsichten und die Geisterwelt.
- Zorn und Gnosis: Ein Spieler kann Zorn und Gnosis nicht in derselben Runde einsetzen, ganz gleich, ob er Punkte einsetzt oder auf die Eigenschaft würfelt. Die Ausnahme bilden einige Gaben, die beides verlangen. Diese beiden Kräfte sind sehr mächtig und der Körper des Garou ist nicht stark genug, die Macht beider Hälften seines Wesens gleichzeitig einzusetzen. Ein Werwolf ist beispielsweise nicht in der Lage, Zorn für mehrfache Handlungen einzusetzen und in derselben Runde einen Fetisch zu aktivieren.
- Das Tragen von Silber: Für jeden silbernen oder Silber enthaltenden Gegenstand, den ein Charakter bei sich trägt, verliert er einen Punkt seines Gnosiswertes. Mächtigere Gegenstände werden den Charakter noch mehr verlieren lassen. Zum Glück ist dieser Effekt nur temporär und hält nur einen Tag an, nachdem man das Silber losgeworden ist. Weitere Informationen zu den Auswirkungen von Silber s. S. 257.
- Der Einsatz von Gaben: Viele der Gaben, die Geister gläubige Garou lehren, erfordern den Einsatz von Gnosis und/oder Würfen.
- Fetische: Man kann Gnosis verwenden, um den Fetisch eines Garou einzustimmen oder zu aktivieren. Nähere Informationen zu Fetischen s. S. 219.
Gewinn und Regeneration von Gnosis
Charaktere können ihre Gnosis auf mehrere unterschiedliche Arten zurückgewinnen.
- Meditation: Wenn ein Charakter sich die Zeit nimmt, sich in sich selbst zu versenken und auf einer persönlichen Ebene mit der Heiligen Mutter in Verbindung zu treten, kann er manchmal Gnosis regenerieren. Der Charakter muss mindestens eine Stunde an einem Ort verweilen und sich auf seine tiefe spirituelle Seele konzentrieren. Der Spieler würfelt Geistesschärfe + Enigmas (Schwierigkeit 8). Für jeden Erfolg erhält der Spieler einen Gnosispunkt zurück. Ein Garou kann durch Meditation nur einen Gnosispunkt am Tag regenerieren. Die Schwierigkeit steigt für jeden weiteren Tag der gleichen Woche, an dem ein Charakter zu meditieren versucht, um eins (Maximum: 10). Die Geister sind gütig, aber nicht immer großzügig.
- Heilige Jagd: Die Heilige Jagd ist eine der bei Garouversammlungen am häufigsten durchgeführten Aktivitäten. Die Beute der Wahl ist ein Engling, den die Teilnehmer beschwören und anschließend jagen. Das kann entweder im Umbra oder auf Erden stattfinden. Nachdem die an der Jagd beteiligten Garou ihre Beute gefangen und „getötet“ haben, danken sie dem Geist für das Hingeben seines Lebens. Alle Teilnehmer an der Jagd haben danach wieder einen vollen Gnosisvorrat. Nähere Informationen über Englinge s. S. 371.
- Feilschen mit Geistern: Rituelle Jagden sind nicht die einzige Möglichkeit, Gnosis von einem Geist zu erhalten; manchmal klappt es auch auf die sanfte Tour. Ein Werwolf kann einen Geist einfach bitten, ihm einen Teil seiner Gnosis zu überlassen. Der Charakter muss durch den Einsatz einer Gabe oder eine ähnliche Methode die Geistersprache sprechen können. Der Geist bittet den Charakter vielleicht, einen Botengang oder eine Aufgabe für ihn zu erledigen, ehe er seine Lebenskraft mit dem Garou teilt. Sobald der Handel abgeschlossen ist, gibt der Geist Essenz aus und der Werwolf erhält die entsprechende Menge Gnosispunkte.
- Zwischen Geschichten: In der ereignislosen Zeit zwischen den Geschichten darf der Spieler Charisma + Enigmas würfeln, um Gnosis zurück zu erlangen. Jeder Erfolg bei diesem Wurf frischt einen Gnosispunkt auf.