Viele verachten die Knochenbeißer als lebenden Beweis dafür, wie tief die Garou gesunken sind. Die Kinder der Ratte sind zerlumpt und glücklos, jagen in Revieren, die kein anderer Stamm will und paaren sich mit Blutsgeschwistern, auf die kein anderer Stamm Anspruch erhebt, sie wirken wie aasfressende Promenadenmischungen, die so viele Verstoßene aufnehmen wie sie nur können. Die Knochenbeißer sehen das ganz anders. Sie sind der größte Stamm der Garou-Nation. Sie geben kein Bild des Versagens ab – sie sind ein Musterbeispiel für Erfolg, denn sie spielen das Spiel des Überlebens.
Die eigentlichen Ursprünge des Stammes liegen vermutlich irgendwo in einem Streifen Land zwischen Nordafrika und Indien, doch die Beißer haben schon lange aufgehört, sich über so etwas Gedanken zu machen. Sie haben die Völkerwanderungen der Menschheit mitgemacht und sich dabei immer an die Elenden und Unterdrückten gehängt. Ihre mündliche Überlieferung ist voller revolutionärer Geschichten von Ausgebeuteten, die sich gegen ihre Schinder zur Wehr setzten und sie zu Fall brachten. Die Volkshelden der Knochenbeißer sind Gestalten wie Robin Hood und John Henry – allerdings mit etwas mehr tierhafter Brutalität, wenn es darum geht, Vergeltung und soziale Gerechtigkeit zu üben.
Der Ruf des Stammes als Ansammlung von Bastarden wird noch gestützt durch seine scheinbar wirren Traditionen. Seine Septen sind üblicherweise überraschend demokratisch strukturiert. Ihre Fetische und Riten klauen sie sich von Gaia weiß wo zusammen. Sie stimmen bizarre Totems wie moderne urbane Legenden oder seltsame Zeitgeister der Popkultur gnädig. Die Beißer gehen seltsame Bündnisse mit anderen Übernatürlichen ein, die im Bodensatz der menschlichen Gesellschaft lauern, manchmal sogar mit Egeln oder Werratten, wenn man den Geschichten Glauben schenken darf. Sie blühen und gedeihen in den Städten, wo sie sich in zerfallenden Vorstadtbrachen breitmachen, kommen aber auch in heruntergekommenen ländlichen Einöden gut zurecht. Das Credo der Knochenbeißer lautet: „Irgendwas geht immer.“
Bisher traf das auch zu. Die Kinder der Ratte haben Zugang zu allerlei interessanten Geheimnissen, weil sie Leute belauschen, die andere Garou als Teil der Herde abtun. Sie haben sich eine Reihe heimtückischer Guerillataktiken angeeignet, die gut zu ihren gefährlichen Lebensumständen passen. Sie wissen, wie man sich Nahrung beschafft oder gar aus dem Müll beschwört. Die größte Schwäche der Beißer ist es, dass die anderen Stämme dazu neigen, sie auf Armeslänge zu halten, weswegen sie nur wenige wahre Verbündete haben. Doch selbst diese Schwäche hat zu ihrer größten Stärke beigetragen, ihrer erzwungenen Autarkie.
Eine weitere unschöne Schwäche ist das immer dünner werdende Wolfsblut. Die Knochenbeißer verfügen über Lupus- Blutsgeschwister, aber es sind nicht viele, und sie pflanzen sich hauptsächlich mit menschlichen Partnern fort. Sie verfügen auch über haufenweise Metis, was, wie ihre Gegner behaupten, ihren mangelnden Respekt für die Litanei beweist. Das ist nicht ganz falsch – viele Knochenbeißer haben sich verbotenen Lüsten hingegeben –, doch die Beißer adoptieren auch fleißig. Viele Metis wurden von ihren zu anderen Stämmen gehörenden Eltern ausgesetzt und sind heute brave Soldaten der Ratte.
Doch den Knochenbeißern geht Pragmatismus nicht über Ruf. Ehre, Weisheit und Ruhm sind ihnen wichtig, und auch wenn andere Stämme bösartig etwas Anderes behaupten, sind sie nicht alle Ragabashs. Zugegeben, selbst bei diesen höheren Idealen schimmert ihr anarchistisches Wesen durch. Ein ehrenwerter Philodox der Knochenbeißer scheut nicht davor zurück, Gesetze unorthodox auszulegen. Gleichermaßen könnte man einen weisen Theurgen irrtümlich für einen schmutzigen Obdachlosen halten, der etwas über die Stimmen des Mülls und der Verzweiflung vor sich hinmurmelt.
Auch wenn sie vielleicht Schreine für vergessene Promis errichten oder heilige Riten abhalten, die mit Sportveranstaltungen der Menschen wie dem Super Bowl oder dem Fußball-WM-Endspiel zu tun haben, bewahren die Knochenbeißer im Herzen eifrig einige sehr alte Traditionen. Sie messen einen Garou an seiner Gastfreundschaft und Großzügigkeit – ein Beißer, der sehr wenig hat, aber es bereitwillig teilt, wird ebenso hoch geschätzt wie ein nordischer König, der große Geschenke macht. Sie behandeln ihren Stamm wie eine Familie; ihre Ältesten betrachten „Mutter“ und „Vater“ als ehrenhafteste aller Anreden. Oberflächlich wirken ihre Traditionen wie ein Abbild des kulturellen Flickenteppichs der modernen Kultur – doch im Herzen stehen sie für die Bande, die es Menschen und Garou gestattet haben, so lange zu überleben.
Erscheinungsbild: Das Erscheinungsbild der Knochenbeißer als Wölfe ist räudig, oft eine wirre Mischung aus Farben und Flecken; auf die Entfernung kann man sie für Hunde halten, doch selbst ein Beißer, der wie ein Dingo aussieht, ist eindeutig ein Tier, das noch nie gezähmt wurde. Ihre Garougaben machen sie im Vergleich zu verarmten Menschen überraschend gesund: Die meisten haben gute (wenn auch schiefe) Zähne und unter der Schmutzschicht drahtige Muskeln.
Blutsgeschwister und Revier: Die Kinder der Ratte haben sich mit den gerissensten, härtesten und fiesesten Typen gekreuzt, die in der Gesellschaft der Menschen unter die Räder gekommen waren. Lupus-Blutsgeschwister sind selten und leben meist in ertragsarmen ländlichen Gegenden. Außerdem beanspruchen die Beißer Reviere für sich, die man ihnen nur schwer streitig machen kann – Orte, die sonst keiner will, die aber gut zu verteidigen sind. Der Verfall der Städte bietet ihnen jede Menge Schrottplätze, leerstehende Gebäude, Unterführungen, ausgebrannte Ruinen und andere Flächen, die jeder meidet, der alle Tassen im Schrank hat. Ländliche Beißer bevorzugen abgelegene Täler oder Berggipfel, Sümpfe und Straßen, die einfach irgendwo im Wald enden. Doch der Stamm fühlt sich auch für Einrichtungen verantwortlich, die dafür sorgen wollen, dass es dem kleinen Mann auf der Straße bessergeht: Museen, Obdachlosenunterkünfte, Leihbüchereien
und dergleichen.
Stammestotem: Die Ratte. Die Knochenbeißer verehren ihr Stammestotem als mütterliche Figur, Königin einer Brut gebeutelter Überlebenskünstler. Sie gehen auch Pakte mit schmuddeligen Geistern wie etwa Waschbärgeistern, den Geistern streunender Hunde und denen von Schrott und Rost ein.
Charaktererschaffung: Knochenbeißer neigen zu Eigenschaften, die für Anpassungsfähigkeit stehen, etwa Widerstandsfähigkeit, Geistesschärfe und Manipulation, sowie zu Fähigkeiten wie Überleben. Ahnen und Reinrassig stehen ihnen als Hintergrund nicht offen; von Ressourcen wird abgeraten.
Anfangswert für Willenskraft: 4
Anfängliche Gaben: Gift widerstehen, Süßer Honigduft, Kochen, Kraft der Verzweiflung, Schätze im Müll
“Siehst du diese Scheiße? Hier tobte der Krieg immer schon am schlimmsten. Hier tötet und pervertiert und fickt der Wyrm die Leute, weil er weiß, dass es alle einen Scheiß kümmert. Wir sind die Bastarde, die schon ewig auf diesem Schlachtfeld kämpfen. Vergiss das nie.“
ZitatFianna: Es muss einem schon ziemlich gut gehen, um auch nur so zu tun, als sei das ganze Leben ein einziges Fest.
Glaswandler: Die Typen raffen, was in den Städten läuft, genau wie wir. Sie beschäftigen sich nur mit der strahlenden Oberfläche, wo man immer weiß, woher die nächste Mahlzeit kommt. Kann man ihnen daraus einen Vorwurf machen?
Kinder Gaias: Manche von ihnen reden gerne über Träume, bessere Zeiten, Mitgefühl und den ganzen Scheiß, während andere sich mit uns in die Schützengräben stürzen. Rate mal, welche wir gut finden?
Nachfahren des Fenris: Als erstes such dir einen Grund, einem von ihnen eine zu verpassen. Dann versuch, nicht draufzugehen, wenn er dir in den Arsch tritt. Klar, er wird dir in den Arsch treten, aber danach wird er dich besser behandeln, weil er dich nicht mehr für einen Feigling hält.
Rote Klauen: Heilige Scheiße. Du hast noch nie einen Menschen getroffen, den du nett fandst? Das macht mir eine Scheißangst, wenn auch nicht aus den Gründen, die du gerne hättest.
Schattenlords: Schmutzige Tricks? Ja klar, wurde auch Zeit. Andere Stämme als Kollateralschaden? Mhm, alles schon mal dagewesen.
Schwarze Furien: Scheiße ja, nieder mit den Mächtigen. Helft den Leuten! Oh, Moment, ihr wollt nur einer Hälfte der Menschheit helfen? Naja, ist ja wenigstens ein Anfang.
Silberfänge: Diese Bastarde nutzen uns als abschreckendes Beispiel, und zwar schon seit der Zeit, als es noch 16 Stämme gab. Nun, wer ist jetzt gesünder, hm?
Sternenträumer: Ich habe noch nicht einmal einen Schimmer, wovon du redest. Kannst du das nochmal für Normalsterbliche sagen?
Stille Wanderer: Freaks. Wie kann man so viel Zeit außerhalb seines Reviers verbringen und so viel lernen? Das kann nicht gut sein.
Uktena: Ziemlich gerissen, besorgen sich, was sie brauchen, wo auch immer sie es gerade herkriegen. Wäre nicht überrascht, wenn ihre Moral auch so funktioniert.
Wendigo: Ihr habt seit dem Impergium einen verfickten Menschenfresser als Totem und seid noch nicht dem Wyrm anheimgefallen? Kalt und hart wie Eis, Mann.