Nachfahren des Fenris

Die Nachfahren des Fenris stechen sogar aus den Reihen ihrer kriegerischen Rasse hervor. Die Fenrir, wie man sie auch nennt, ziehen einen ruhmreichen Tod einem friedlichen Lebensabend vor. Sie tragen ihre Narben mit Stolz, heulen den Ruhm ihrer Siege in den Nachthimmel und schwelgen in der Angst, die sie den Lakaien des Wyrms einjagen. Für die Nachfahren ist Mitgefühl ein Luxus, keine Tugend – die größten Tugenden sind Tapferkeit und Stärke.

Die Fenrir haben ihre Ursprünge in Europa, wo sie einst die germanischen Stämme und die Wikinger ihre Blutsgeschwister nannten. Doch selbst die brutalsten und gewalttätigsten Sagas ihrer Heimatregionen verblassen vor den Überlieferungen der Nachfahren. Ihre Galliards (oder Skalden) berichten voller Freude von blutigem Tod angesichts unbezwingbarer Übermacht oder dem ewigen Ruhm, den es auf dem Schlachtfeld zu erlangen gibt. Sie erzählen schon seit Jahrtausenden Geschichten von Ragnarök, der Apokalypse – und sie sind bereit dafür.

Das Blut allein macht einen Garou noch nicht zum Nachfahren des Fenris. Ein Welpe könnte durch und durch reinrassig sein, doch wenn er den blutigen Ritus des Erwachsenwerdens des Stammes nicht besteht, bringt er den Fenrir nichts. Manche Welpen sterben sogar bei dieser ersten Prüfung. So hart er auch sein mag, der Ritus des Erwachsenwerdens spiegelt die grimmige, fatalistische Lebensanschauung der Nachfahren wider. Die Schlachten gegen den Wyrm werden nicht leichter werden und ein Fenrir flieht vor keinem Kampf. Jeder Nachfahre des großen Fenris, egal unter welchem Vorzeichen er geboren ist, muss bereit sein, für die Mutter ruhmreich den Tod zu finden. Dieses Credo erscheint Lupuswelpen oft widersprüchlich, die es gewohnt sind, dass das Überleben wichtiger ist als alles andere. Zum Glück entdecken hinreichend Wolfsgeborene den Zorn in sich, sodass die Nachfahren ein ausgewogenes Verhältnis von Menschlingsund Lupusmitgliedern haben.

Zu allem Übel vertreten viele Nachfahren des Fenris auch sehr elitäre Ansichten nicht nur hinsichtlich von Kraft und Tapferkeit, sondern auch in Bezug auf Geschlecht und Ethnie. Das ist schon seit vielen Jahren ein Quell interner Auseinandersetzungen des Stammes. Auch wenn heutige Nachfahren weniger zu offenem Rassismus und Sexismus neigen, sind die alten Vorurteile gegen  Schwäche tief verwurzelt und vielgestaltig. Sie haben nicht gerade zum guten Ruf des Stammes bei der restlichen Garou-Nation beigetragen.

Auch wenn es für Außenstehende schwer zu erkennen ist, verfügen die Fenrir auch über ihren Mut hinaus über bewundernswerte Tugenden. Es hat lange Tradition, dass Frauen in vielen Nachfahren-Septen ebenso angesehen sind wie Männer – sie müssen oft sehr hart arbeiten, um sich Respekt zu verdienen, aber diese Mühe trägt ihnen auch Teile ihres Status ein. Auch Metis können viel erreichen, wenn ihre Missbildungen sie nicht körperlich schwächen – wer hässlich ist wie die Nacht und einen schrecklichen Sprachfehler hat, wird dennoch viel Ruhm ernten, wenn er den hohen Standards des Stammes gemäß kämpfen kann. Viele Nachfahren kümmern sich auch rührend um ihre Blutsgeschwister und nehmen Familienbande außergewöhnlich ernst. Das ist für die Blutsgeschwister natürlich ein zweischneidiges Schwert: Ihre Werwolfverwandten messen sie an extrem hohen Standards, verteidigen sie aber auch mit glühender Leidenschaft.

Stärke steht für den Stamm auf allen Ebenen der Gemeinschaft an erster Stelle. Auch Weisheit und List werden geschätzt, doch als Ergänzung zur Stärke, nicht als Alternative dazu. Die Führer der Fenrir, die Jarls, müssen sich ihren Rang durch zermürbende körperliche Prüfungen erarbeiten und bereit sein, anderen dasselbe abzuverlangen. Stammesversammlungen finden bei Vollmond statt, sie beginnen mit einem brutalen Spießrutenlauf, um festzustellen, wer würdig ist, an den Riten des Stammes teilzunehmen. Seine Riten des Rufs erfordern, dass dem Werwolf blutige Runen in die Haut geritzt werden; selbst mystische Riten, die sich mit Geistern befassen, setzen in der Hälfte der Fälle auf einen ritualisierten Kampf zwischen dem Ritenmeister und dem Geist. Selbst ihr Glaube an ein Leben nach dem Tod arbeitet mit dem Konzept von Walhalla, einer großen Festhalle, die die Helden erwartet.

Ungeachtet all ihrer Fehler bringen die Nachfahren des Fenris viele Helden hervor. Ihr Glaube an Stärke ist einfach, aber nicht einfältig – er lehrt viele Fenrir, ihren Zorn zu meistern und dem Rest der Nation als leuchtendes Beispiel für Mut zu dienen und Schlachten zu gewinnen, die andere verloren geben würden. Sie stehen denen, die sich ihren Respekt verdient haben, bemerkenswert loyal gegenüber, und ihre hohen Standards ermutigen andere Garou, tapferer zu kämpfen, wenn sie die Fenrir als Bündnispartner behalten wollen. Nun, da die Apokalypse bevorsteht, ist kein Stamm bereiter, den Wyrm in Fetzen zu reißen, koste es, was es wolle.

Erscheinungsbild: Starkes Fenrirblut manifestiert sich in Form riesiger, grauer Wolfsgestalten mit breiten Schultern und tödlichen Kiefern. Es gibt nur sehr wenige Nachfahren, deren Haut nicht mit Narben und Tätowierungen übersät ist. Manche brennen sogar zeremonielle Brandzeichen in ihr Fell oder schneiden Runen in ihr Fleisch.

Blutsgeschwister und Revier: Die ältesten Stammlande der Nachfahren des Fenris liegen in Europa, vor allem in Skandinavien und Deutschland. Sie sind ihren ursprünglichen Blutsgeschwistern durch viele Lande gefolgt und haben neue Blutlinien in den Stamm integriert, wo auch immer die örtliche Bevölkerung kräftige Kinder hervorbrachte. Sie bevorzugen ländliche Gegenden, besonders solche mit rauem Wetter, und sind in mehr Revierstreitigkeiten verwickelt als jeder andere Stamm. Ihre größten Protektorate sind der deutsche Schwarzwald und die Wildnis Skandinaviens.

Stammestotem: Fenris, der große Wolf, ist eines der mächtigsten Kriegstotems. Andere mit den Nachfahren verbündete Geister sind Aegir, Hrafn der Rabengeist, die Nornen und Surtur, Geister, die gleichermaßen kriegerisch und weise sind.

Charaktererschaffung: Die Fenrir legen natürlich Wert auf Kampf und Überleben. Sie erwerben fast nie Kontakte: Sie wollen echte Freunde, keine Partner.

Anfangswert für Willenskraft: 3

Anfängliche Gaben: Blitzschnelle Reflexe, Fratze des Fenris, Herr über das Feuer, Rasiermesserklauen, Schmerz widerstehen

“Der Schmerz ist meine Geliebte. Der Tod ist meine Schwester. Gaia ist meine Mutter, und der große Fenris ist mein Vater. Ich habe von dir NICHTS zu befürchten!“

Zitat
Stereotype

Fianna: Eure Ahnen waren fast so stark wie unsere und ihr seit fast so stark wie wir. Was denn? Das war ein Kompliment.

Glaswandler: Die alten Wege sind hart, schmerzlich und gnadenlos. Da überrascht es nicht, dass Feiglinge jede Entschuldigung nutzen, um sich von ihnen abzuwenden.

Kinder Gaias: Glaubt ihr, ihr habt diese Zähne und diese Klauen bekommen, um herumzusitzen und von euren Träumen vom Frieden zu erzählen? Kämpft, ihr Schafficker!

Knochenbeißer: Du kannst mir folgen, wenn du Angst hast, die Führung zu übernehmen. Aber wenn du mich im Stich lässt, reiße ich dich in Stücke wie den Hund, der du zu sein vorgibst.

Rote Klauen: Ich bewundere jeden Wolf, der in einen Krieg zieht, weil er findet, dass er ihn führen muss, nicht weil er glaubt, ihn gewinnen zu können.

Schattenlords: Ihre Pläne gegen die anderen Stämme sind Hochverrat, deswegen sind wir keine Freunde. Ihre Pläne gegen den Wyrm sind brillant, deswegen haben wir sie noch nicht niedergestreckt.

Schwarze Furien: Ein Krieger definiert sich über seine Fänge, seine Klauen und seine Klaive, nicht durch eine Gebärmutter. Ihr wollt Respekt? Verdient ihn euch.

Silberfänge: Sprecht mit der Stimme eines wahren Königsund wir werden euch folgen. Ansonsten seid ihr es nicht wert.

Sternenträumer: Ihr wollt euren Zorn meistern, indem ihr nicht kämpft? Warum meistert ihr nicht auch gleich das Feuer, indem ihr euer ganzes Leben lang nur rohes Fleisch esst?

Stille Wanderer: Sie erinnern mich an die Raben: scharfe Augen und ein wacher Geist, aber bessere Späher als Kämpfer.

Uktena: Als wir einander bekriegten, fanden unsere Ahnen in ihren Landen finstere Dinge. Konnte man diese nur aufhalten, indem man sie bannte – oder war das ein Weg, sie sich für später zu bewahren?

Wendigo: Ihr wollt immer noch wegen der Taten unserer Ahnen gegen uns kämpfen? Es gibt produktivere Wege, Selbstmord zu begehen.