Schattenlords

Herrschaft und Unterwerfung. Diese Begriffe bilden die Grundlage der Philosophie der Schattenlords. Die Schattenlords, durch und durch politisch von kaltem Pragmatismus geprägt, praktizieren eine rigide interne Hierarchie und fordern ein ebenso strenges Wertesystem für die Garou-Nation. Ihre bloße Präsenz ist polarisierend. Andere Stämme sehen ihre manipulativen Taktiken als Grund, den Lords zu misstrauen oder klagen, jeder, der so skrupellos ist, müsse unweigerlich irgendwann der Verderbnis anheimfallen. Manche würden sicherlich den Standpunkt vertreten, es wäre das Beste, sie ganz aus der Nation auszustoßen – doch die Schattenlords sind viel zu wertvoll. Ihre Methoden sind oft ehrlos und manchmal grausam, aber sie erzielen Resultate.

Das Leben in den Reihen der Lords ist gleichermaßen bedrückend wie inspirierend. Man lehrt die Welpen, ihre Ältesten ebenso zu fürchten wie zu verehren. Aber der Stamm ist auch eine Leistungsgesellschaft – wer den Ehrgeiz und die Fertigkeit besitzt, Erfolg zu haben, wird weiter kommen als jemand, der sich auf falsch verstandene Geburtsrechte verlässt. Die Lupi des Stammes perfektionieren üblicherweise zuerst einmal ihre instinktive Dominanz ehe sie an ihrer eher menschlichen Begabung für Täuschung und Politik arbeiten. Metis haben keinen guten Start – doch sie sind in einer einzigartigen Position, denn sie lernen die manipulativen Tricks des Stammes, ehe sie noch richtig sprechen können.

Die Stärke des Stamms der Schattenlords ist, dass er sehr starke, gerissene Kämpen hervorbringt; ihre Ältesten und Anführer haben ihre Positionen errungen, indem sie ständig an sich arbeiteten. Die Schwäche ihres Stammes besteht darin, dass jeder Schattenlord im Streit mit seinen Brüdern steht. Die, die unter ihm stehen, begehren seine Position; die, die über ihm stehen, wollen nicht, dass er ihnen die ihre streitig macht. Ihre ständigen Dominanzkämpfe haben sie in ihrem ständigen Streben nach Macht mehr als einmal zurückgeworfen.

Diese skrupellose Stammesphilosophie prägt den Stamm seit seinem Entstehen im heutigen Osteuropa. Während des Impergiums kannten sie keine Gnade beim Dezimieren der ihnen  Anvertrauten – und als das Impergium endete, hielten sie es für erforderlich, dass die Menschen auch weiter Angst im Dunkeln hatten. Im Laufe der Jahre haben die Schattenlords allerlei Bündnisse geschlossen, nur um sich gegen ihre Bündnispartner zu wenden, wenn sich eine Gelegenheit bot und sie eine ausreichende Entschuldigung dafür hatten. Viele dieser Bündnisse schlossen sie sogar mit anderen Kreaturen der Nacht, etwa Vampiren. Natürlich ist es nicht angesagt, dabei erwischt zu werden, wie man sich auf einen Egel einlässt, selbst wenn man vorhat, sich irgendwann gegen ihn zu wenden – denn natürlich wird er irgendwann dasselbe tun –, weswegen sich die Schattenlords nicht dabei erwischen lassen. Zumindest nicht, wenn sie es verhindern können.

So ehrgeizig und abgebrüht sie auch sind, die meisten Schattenlords stehen nach wie vor loyal zur Sache Gaias. Sie arbeiten daran, schwache Führer zu entthronen und ihre Herrschaft zu unterminieren, aber ein starker, gerissener Führer genießt große Loyalität von Seiten des Stammes Großvater Donners. Sie spielen Garou gegeneinander aus und stellen so die jeweiligen Loyalitäten auf die Probe. Wenn in einer Septe jemand kurz davorsteht, zum Wyrm überzulaufen, fällt das nicht selten einem Schattenlord zuerst auf – der dann sein Wissen nach Kräften zu seinen Gunsten nutzt. Wie die Schattenlords klugerweise zu sagen pflegen: Nur die Schwachen und Verderbten haben ihre Nachforschungen zu fürchten. Die Tatsache, dass die Definition von „schwach“ und „verderbt“ bei den Schattenlords liegt, beruhigt potenzielle Betroffene nicht gerade. Ein Philodox Großvater Donners ist äußerst selten zu langmütig.

Doch in diesen Zeiten des Sterbens sehen die Schattenlords Schwäche überall. Die Silberfänge sind ausgerechnet in der Zeit, in der man sie am meisten bräuchte, töricht und altersschwach. Die Stämme sind zerstritten und geraten sich ständig in die Haare, wo sie doch vereint gegen den Wyrm stehen sollten. Die Autorität des adligen Blutes ist gescheitert; die Rufe zur Versöhnung sind ungehört verhallt. Vielleicht kann nur noch Furcht die Garou-Nation einen. Wenn es sein muss – wenn man die Garou mit eisernen Klauen einen muss –, werden die Schattenlords gewiss jede sich dazu bietende Gelegenheit nutzen.

Erscheinungsbild: Schattenlords mit hohen Werten in Reinrassig sind oft in allen Gestalten eher düster. In Lupusgestalt sind sie groß und massig, wobei ihr dunkles Fell ihren Stammesnamen widerspiegelt.

Blutsgeschwister und Revier: Die ältesten Blutsgeschwisterfamilien stammen aus Osteuropa, aber die Schattenlords fühlen sich auch zu Menschen hingezogen, die Intelligenz, Macht oder vorzügliche Leistungen auf einem bestimmten Gebiet vorweisen. Blutsgeschwister werden nicht verhätschelt; Schwächlinge und Opfer, ob Menschen oder Wölfe, haben es nicht verdient, sich fortzupflanzen. Schattenlords stellen keine besonders großen Ansprüche an ihre Reviere, doch der Stamm fühlt sich zu tristen Landschaften hingezogen, deren düstere Schönheit einem Schauer über den Rücken jagt.

Stammestotem: Großvater Donner, ein mächtiger Sturmgeist, der eine klare Hierarchie verlangt. Die berühmtesten Geister seiner Brut sind die Sturmkrähen, die untrennbar mit den Schattenlords verbunden sind. Großvater Donner hat auch andere Geister unterworfen, die zu kontrollieren anderen schwerfiele, etwa Geister der Nacht und des Schmerzes. Charaktererschaffung: Schattenlords sind häufig Allrounder, legen aber besonders Wert auf geistige Attribute und Manipulation. Sie schätzen sehr viele Fähigkeiten, besonders die, die mit List und Überzeugungskraft zu tun haben. Verbündete und Mentor sind keine gern gesehenen Hintergrundeigenschaften; Schattenlords bevorzugen zumeist eine gewisse Distanz zu ihren Kampfgefährten.

Anfangswert für Willenskraft: 3

Anfängliche Gaben: Aura der Zuversicht, Lauscher an der Wand, Schattenweben, Tödliche Schwäche, Zünglein an der Waage

“Natürlich habe ich einen Plan. Irgendjemand muss hier ja das Denken übernehmen. Also, wollt ihr den Kampf gewinnen oder ruhmreich frontal in einen Hagel von Silberkugeln stürmen?“

Zitat
Stereotype

Fianna: Sie haben grundsätzlich an jedem Plan etwas auszusetzen, einfach, weil sie so gerne diskutieren. Lass sie streiten, lass sie glauben, sie hätten gewonnen, und dann lass sie auf dein Ziel los.

Glaswandler: Vernünftige Burschen, die kapieren, dass sie nicht viele Freunde in der Nation haben, vor allem keine pragmatischen.

Kinder Gaias: Es ist schwer, sich ihre Aggression zunutze zu machen, und sie haben auch etwas dagegen. Aber unterschätze nicht die Nützlichkeit eines Stammes, der begreift, wie nötig Kooperation ist.

Knochenbeißer: Beeindruckend clever. Gefährlich unterschätzt. Durchaus nützlich.

Nachfahren des Fenris: Bei richtiger Behandlung können sie der entscheidende Teil jedes Schlachtplans sein. Bei falscher Behandlung … sagen wir einfach, das sollte nicht passieren.

Rote Klauen: Schwierig zu überzeugen und cleverer, als man annehmen sollte, aber gute Jäger und Krieger, solange man mit ein wenig … Kollateralschaden leben kann.

Schwarze Furien: Der gerechte Zorn, der sie umgibt, ist nicht alles, was sie ausmacht. Sie haben viele Eisen im Feuer; behalte sie alle im Auge.

Silberfänge: Irgendwann wird der Punkt kommen, an dem der Sturz der Silberfänge mehr zur Einheit der Stämme beitragen wird als ihre Gegenwart. Warte ihn ab.

Sternenträumer: Wie geht man mit jemandem um, der behauptet, nichts zu wollen? Frustrierend. Wenigstens sind sie nicht aufdringlich.

Stille Wanderer: Sie sehen und hören mehr, als uns recht ist. Vergiss das nie.

Uktena: Pragmatisch. Offen für vernünftige Argumente. Aber sie trauen ihren Geisterliebchen mehr als anderen Garou, und ihre Geister sind verdammt rätselhaft.

Wendigo: Sie erinnern sich an sehr viele schlechte Geschäfte und gescheiterte Abmachungen. Die kluge Vorgehensweise ist, ihnen nichts zu versprechen, was du nicht auch halten kannst.