Willenskraft

Fast jede Kreatur, die in der Welt der Dunkelheit umherstreift, besitzt Willenskraft. Sie ist die Stärke, die jedem Wesen innewohnt, die es seine Grundbedürfnisse überwinden lässt und von Zeit zu Zeit zu Großtaten beflügelt.

Ähnlich wie Gnosis und Zorn notiert man auch Willenskraft auf zwei verschiedene Weisen. Der permanente Willenskraftwert sind die Kringel auf dem Charakterblatt, der temporäre Willenskraftvorrat sind die Kästchen darunter. Der Willenskraftvorrat eines Charakters kann nie höher sein als sein Willenskraftwert. Wie bei Zorn und Gnosis vermerkt man den Einsatz eines Willenskraftpunktes durch Streichen eines Kästchens des Willenskraftvorrats, nicht durch das Streichen eines der Kringel des permanenten Wertes.

Der Willenskraftwert eines Charakters sinkt, wenn er diese angeborene Macht nutzt. Wenn keine Willenskraft mehr übrig ist, ist der Charakter ausgelaugt und nicht in der Lage, die innere Stärke aufzubringen, seine Pflichten zu erfüllen. Ihm wird egal sein, was mit ihm geschieht, denn er hat keine Willenskraft mehr, um weiterzumachen.

Rückgratlos
Schwach
Unsicher
Schüchtern
Bestimmt
  Zuversichtlich
  Stark
  Beherrscht
  Eiserner Wille
  Unerschütterlich

Der Einsatz vonWillenskraft

Von allen Eigenschaften, die Werwölfe besitzen, ist Willenskraft wahrscheinlich diejenige, auf die Sie am häufigsten würfeln und die Sie am häufigsten einsetzen werden, weil man sie auf so viele unterschiedliche Weisen nutzen kann.

  • Automatische Erfolge: Der Einsatz eines Willenskraftpunktes bei einer Handlung beschert dem Spieler einen Erfolg. Auf diese Weise kann pro Runde nur ein Punkt eingesetzt werden, aber der Erfolg ist garantiert. Willenskraft so einzusetzen negiert Patzer komplett. Für manche Würfe darf ein Charakter keine Willenskraft einsetzen, etwa die für Schaden oder zum Aktivieren von Gaben.
  • Unkontrollierbare Triebe: Garou sind Triebwesen, und die Spieler werden das Tier in ihren Charakteren gelegentlich ganz unbewusst auf Reize reagieren sehen. Der Erzähler wird Ihnen vielleicht mitteilen, dass Ihr Charakter etwas aus Instinkt tut, etwa wenn er vor Feuer zurückweicht oder ein Wyrmwesen angreift. Durch den Einsatz eines Willenskraftpunktes kann man diesen urtümlichen Drang unterdrücken und den Garou bleiben lassen, wo er gerade ist. In seltenen Fällen wird dieses Gefühl nicht einfach so verschwinden und der Spieler muss weiter Willenskraft einsetzen, um eine ungewollte Reaktion zu vermeiden, bis der Charakter sich aus der Situation entfernt oder ihm die Willenskraft ausgeht.
  • Rasereien stoppen: Wie erwähnt gerät ein Charakter in Raserei, sobald ein Spieler bei einem Zornwurf vier oder mehr Erfolge erzielt. Der Spieler kann diese Situation vermeiden, indem er einen Willenskraftpunkt ausgibt, um die Kontrolle zu behalten. Weitere Informationen zu Raserei s. S. 259.
  • Weiterkämpfen: Wenn ein Werwolf verletzt ist, kann er aufgrund der Wunden Konzentrationsschwierigkeiten haben, die sich in den Wundabzügen auf seine Handlungen ausdrücken. Indem er einen Willenskraftpunkt ausgibt, kann er für einen Wurf die Wundabzüge ignorieren.

Wiedererlangen vonWillenskraft

Charaktere müssen ruhen, um Willenskraft zu regenerieren. Neben ihren ständigen Kämpfen gegen den Wyrm und seine Heerscharen nehmen jedoch die täglichen Rituale und Pflichten der menschlichen Seite ihres Lebens einen Großteil der verbleibenden Zeit in Anspruch, sodass Garou oft kaum zu Atem kommen. Im folgenden Abschnitt stellen wir die verschiedenen Möglichkeiten vor, wie Charaktere Willenskraft regenerieren können; der Erzähler entscheidet, welche dieser Methoden er anwendet.

  • Wenn eine Geschichte abgeschlossen ist, können Charaktere ihre gesamte Willenskraft regenerieren. Dies sollte dem Ende eine Geschichte vorbehalten sein, nicht unbedingt dem Ende jeder Spielsitzung. Der Erzähler kann den Charakteren auch nur gestatten, soviel Willenskraft zu regenerieren, wie sie seiner Meinung nach für das Erreichen ihres Ziels verdient haben.
  • Charaktere, die im Rahmen des Spiels einen besonders einzigartigen Sieg errungen haben, können ebenfalls Willenskraft regenerieren. Diese Siege sollten sehr persönlicher Natur sein, etwa die Konfrontation mit einem Feind oder das Überwinden eines persönlichen Lasters. Der Erzähler entscheidet, ob ein Charakter dadurch nur einen Teil oder sein gesamtes Selbstbewusstsein zurückerhält.
  • Wenn ein Charakter die Pflichten seines Vorzeichens besonders gut erfüllt hat, könnte er bis zu drei Willenskraftpunkte regenerieren. Diese Methode bedarf der Zustimmung des Erzählers und begründet sich größtenteils auf dem rollenspielerischen Können der Spieler.

Zudem regenerieren Charaktere jeden Tag beim Aufwachen einen Punkt Willenskraft. Das ist zwar nicht so tiefgründig oder befriedigend wie die obigen Methoden, doch ist es eine gute Option, um Werwölfe handlungsfähig zu halten, wenn es keine Hoffnung mehr zu geben scheint.