In den Tagen vor der Ankunft der Europäer in Amerika spielten die Uktena die Rolle des klugen ältesten Bruders der drei unbefleckten Stämme. Wo sich die Wendigo auf den Krieg und die Jagd konzentrierten und die Croataner eher sozial ausgerichtet waren, sammelten die Uktena mystisches Wissen. Sie ließen sich überall in Amerika nieder, bevorzugt aber im Süden, wo es zahlreiche der von ihnen so geschätzten Flüsse gab. Die Ankunft der Europäer veränderte alles, und als diese begannen, ihre Blutsgeschwister auszurotten, beschlossen die Uktena, sich anzupassen. Sie Interagierten mit Menschen aus vielen Kulturen, bevorzugt aus solchen mit alten animistischen Traditionen oder solchen, die wie die Unbefleckten unter Unterdrückung litten. In den Adern vieler Uktena fließt das Blut früherer Sklaven, von Vertriebenen oder Immigranten, die man in schmutzige Ghettos zusammenpferchte.
Doch obgleich die Uktena aus ihrem Kontakt mit fremden Kulturen (allerdings nicht mit der europäischen) neue Hoffnung schöpften, fließt in ihrem Herzen noch immer ein Fluss aus finsterer Bitterkeit. Sie verbünden sich mit den restlichen Stämmen, haben aber Geheimnisse vor ihnen. Sie haben keine einzige Beleidigung, keine einzige Verletzung vergessen. Außerdem vertrauen sie den anderen nicht einmal ansatzweise so sehr, wie sie vorgeben. Sie benutzen für Europäer noch immer das Wort „Wyrmkömmlinge“, wenn auch nicht in ihrer Gegenwart. Wenn die Notwendigkeit zur Kooperation besteht, tun sie es – aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, diskret und schmerzhaft Rache zu nehmen, dürfte es ihnen schwer fallen zu widerstehen.
Trotz der alten Gräben zwischen den Uktena und den meisten anderen Stämmen sind sie wertvolle Mitglieder der Garou-Nation. Sie haben Millennien damit zugebracht, mit Geistern zu kommunizieren, um obskure okkulte Geheimnisse zu erfahren, und insgeheim mit einzelnen Mitgliedern anderer übernatürlicher Gruppierungen Tauschhandel betrieben (etwa den Corax, den Nuwisha und den Qualmi). Außerdem haben sie Riten geschaffen, die nicht einmal die Wendigo kennen. Die Uktena beherrschen mehr okkulte Mysterien als jeder andere Stamm, was ihnen einen großen Vorteil verschafft, wenn es um die mystische Seite des Krieges geht. Doch nicht alle Geheimnisse, die sie in Erfahrung gebracht haben, sind ungefährlich.
Die Uktena haben keine Angst vor Pakten mit Dingen, die deutlich finsterer und bizarrer sind als die Geister Gaias. Der Umgang mit wahren Schrecken hat bei ihnen eine lange Tradition. Bei ihren Forschungen sind die Uktena vor langer Zeit auf eine Reihe mächtiger Plagen gestoßen, die unter der Erdoberfläche schlummern. Sie haben mächtige Riten durchgeführt, um diese monströsen Wyrmgeister zu binden, und die Uktena stellen seit Generationen „Plagenhüter“, die über die gaialästerlichen Schlafplätze dieser Kreaturen wachen. Im Laufe der Äonen hat der Stamm mehr über die üblen Machenschaften des Wyrms erfahren, als ein Streiter Gaias wissen sollte.
Doch dieses Wissen ist sehr nützlich. Die Uktena sind unübertroffen darin, Wyrmbefleckung aufzuspüren, egal wie subtil sie auch verborgen ist. Sie kennen die Schwächen der Plagen, die nur wenige andere Gelehrte auch nur benennen können. Die Theurgen des Stammes sind unvergleichlich kenntnisreich, und selbst ihre Neu- und Vollmonde haben einen überraschend großen Einblick in die verborgenen Winkel des Umbras. Neugier gilt dem Stamm als Tugend – wissbegierige Welpen gelten als die mit dem größten Potenzial. Uktena- Lupi ermutigt man, so viele Fragen zu stellen, wie sie nur wollen, und infolgedessen lernen sie schneller als andere Lupi. Ihre Metis werden gemeinhin besonders streng beurteilt, doch manchmal übertreffen sie sogar ihre Menschlings- und Lupusbrüder in Bezug auf okkultes Wissen. Sie haben nie eine Welt ohne Mystik kennengelernt.
Die Zeiten sind schlecht und das Wissen der Uktena über das Böse ist ein ständiger Quell der Versuchung. Garou aller Stämme können dem Wyrm anheimfallen, und wenn ein Uktena dem Geflüster aus den Tiefen der Erde nachgibt, wird er zu einem der gerissensten und gefährlichsten der Gefallenen. Andere Stämme, die ahnen, wie weitreichend das Wissen der Uktena ist, können sich einer gewissen Angst nicht erwehren, sie könnten insgesamt schwach werden. Doch solange die Uktena noch Kraft und Entschlossenheit besitzen, gehen sie auch weiter mit Methoden und Herangehensweisen gegen den Wyrm vor, die nur wenige andere ins Feld führen können. Schließlich kennen sie ihn gut. Sie kennen seine Faszination und Kraft, aber auch seine Tricks, Tabus und Schwächen.
Erscheinungsbild: Bei den Uktena manifestiert sich Reinrassigkeit oft in rötlich-schwarzem Fell und viele ähneln eindeutig Rotwölfen. Der Stamm stellt eine spezielle Mischung aus Indianern und verschiedenen entrechteten Ethnien dar, und viele Mitglieder haben einen Hang zu okkultem Schnickschnack aus den verschiedensten Traditionen.
Blutsgeschwister und Revier: Die Uktena haben sich in ganz Amerika mit Indianern fortgepflanzt, aber auch viele andere unterdrückte Ethnien unter ihre Fittiche genommen. Sie bevorzugen abgelegene Reviere, oft Orte, die im örtlichen Volksglauben verschrien sind. Viele dieser Orte haben diesen schlechten Ruf, weil unter der Erde uralte Schrecken gebannt liegen, die dort nur aufgrund der Wachsamkeit der Uktena verbleiben.
Stammestotem: Der Uktena ist ein indianischer Flussgeist, der einer gehörnten Schlange mit ein paar pumaähnlichen Zügen gleicht. Wie viele Wassergeister ist er manchmal aufbrausend, manchmal nährend. Uktenas Brut umfasst viele Wasserund Schlangengeister, darunter Federschlangen, Seeschlangen und die schlangengleichen Drachen Asiens.
Charaktererschaffung: Uktena schätzen hohe geistige Attribute, um so ihre vielen spirituellen Vorzüge besser wahrnehmen und beherrschen zu können. Okkultismus ist bei dem Stamm weitverbreitet, und Uktena neigen dazu, Riten zu erlernen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit Fetische zu sammeln.
Anfangswert für Willenskraft: 3
Anfängliche Gaben: Echsengeist, Geistersprache, Magiegespür, Verhüllen, Wyrmgespür
“Man hat uns nicht Augen, Ohren und ein Gehirn gegeben, damit wir blind, taub und ahnungslos bleiben. Dir gefällt nicht, was du siehst – aber genau deshalb müssen wir es uns ansehen.“
ZitatFianna: Danke, wir kümmern uns selbst um unsere Mythologie. Dann wissen wir wenigstens, dass sie in guten Händen ist.
Glaswandler: Ein wenig zu spezialisiert, um gesund zu sein, aber es lässt sich nicht leugnen, dass sie Tricks draufhaben, von denen wir keinen Schimmer haben.
Kinder Gaias: Sie haben echte Macht, was Heilung und Läuterung angeht. Sie könnten wahrscheinlich viel mehr erreichen, wenn sie anderen Künsten nicht so … zögerlich gegenüberstünden.
Knochenbeißer: Die Kinder der Ratte wissen mehr, als sie zugeben. Nicht viel mehr, aber immerhin.
Nachfahren des Fenris: Narren, die glauben, wenn man nur stark genug ist, müsste man nichts lernen.
Rote Klauen: Sie können doch nicht ständig ihrem Blutdurst frönen. Wenn man sie in einem ruhigen Augenblick erwischt, kann man interessante Dinge von ihnen lernen.
Schattenlords: Am schnellsten erlangt man ihre Aufmerksamkeit und ihren Respekt, indem man ihnen ins Gedächtnis ruft, dass man möglicherweise mehr weiß als sie.
Schwarze Furien: Sie bewahren allerlei interessante Traditionen, die zweifellos recht nützlich wären, wenn wir sie nur überzeugen könnten, sie mit uns zu teilen.
Silberfänge: Erinnere sie sanft an alles, was wir erlitten haben und ermutige sie, gute Könige zu sein. Vielleicht schaffen sie das sogar, aber zumindest machen sie dann keinen Unsinn.
Sternenträumer: Ich achte deine Einsichten, Vetter, aber glaubst du wirklich, die Welt würde dich in Ruhe lassen, nur weil du sie in Ruhe lässt?
Stille Wanderer: Sie müssen auf ihren Wanderungen so viel gesehen haben. Ich wünschte, sie würden uns stärker daran teilhaben lassen.
Wendigo: So wütend, kleiner Bruder. Wärst du irgendjemand anders, ich hätte Angst um dich – aber noch kennst du ja die alten Wege.